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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.

darleiht, wird nur ganz selten zu Reichtum gelangen: die grofsenFische gilt es zu fangen. Und das galt für die Zeit extensiverBesiedelung und unentwickelter Verkehrstechnik in noch vielhöherem Mafse als heutzutage, wo es auch hier u. U.die Massebringen kann.

Nun bestätigen uns aber zum Überflufs die Quellen, eine wiepräponderante Rolle im mittelalterlichen Kreditverkehr die geistlichenund weltlichen Grundeigentümer gespielt haben, zeigen sie unshandgreiflich, wie in der That ganz erhebliche Grundwerte auf demWege des Kredits in die Hände von Geldbesitzern übergegangensind.

Was die geistlichen Herren so sehr in Schulden ver-wickelte, waren, wie bekannt, ihre Verpflichtungen gegen Rom, dieLeistung der Seivitia communia. Daher war ihr Geldbedürfniseine allgemeine Erscheinung in allen Ländern und darum dieChance namentlich für die potenteren Geldbesitzer, sich rasch zubereichern, eine sehr gute. Durch die Untersuchungen Gottlobs,Schneiders (S. 50 ff.) u. a., durch die überaus reichhaltigeMaterialsammlung Schult es (1, 235 tf.) sind wir jetzt über dieBeziehungen zwischen den geldsuchenden Prälaten und ihrenGläubigern bis in die kleinsten Details unterrichtet. Wir wissen,dafs es wiederum vor allem italienische Häuser waren, die auchaufserhalb Italiens die Geschäfte mit den geistlichen Herren machten.

Aber für die Vermögensaccumulation möchte ich doch demKreditverkehr mit den weltlichen Grofsgrundbesitzern,insonderheit also dem Landadel, eine noch gröfsere Bedeutung bei-messen. Deshalb vor allem, weil hier die Möglichkeit viel gröfserwar, dafs der Geldgeber nicht nur an den Renten Anteil bekam,sondern auch den Besitz selber oft gegen eine verhältnismäfsiggeringfügige Schuldsumme an sich zu ziehen vermochte. Ganzbesonders sind hier wiederum die italienischen Verhältnisse lehrreich.Wir beobachten in Italien ganz deutlich, wie der Stamm der altenGrundbesitzer, der Adel, entweder sich dadurch in seiner achtung-gebietenden Stellung erhält, dafs er sich, wie noch zu zeigen seinwird, dem Urbanisierungsprozefs unterzieht oder soweit ihm dieseMetamorphose nicht gelingt verarmt, in die Hände von Wuche-rern gerät, die schliefslich einen beträchtlichen Teil seiner Be-sitzungen sich zu eigen machen. Dann wird das Grundeigentummit seinen Erträgen auf dem Wege primär abgeleiteter Accumula-tion die Basis für die Entwicklung des Geldvermögensbesitzes dergente nuova in den Städten. Dafs im allgemeinen die städtische