Elftes Kapitel. Die Anfänge des bürgerlichen Reichtums.
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auffallend 1 : 1216 gab es bereits 359 Mitglieder, 1283 gar 454,1300 361, 1332 227, 1347 302 u. s. w. Wir würden auf Grunddieser Ziffern auf immerhin 100 Familien schliefsen dürfen. Wahr-scheinlich aber gehörten nicht alle Hausgenossen zu den Ge-schlechtern. Ähnliche Ziffern besitzen wir aus Köln : die RicherZeche hatte im 14. Jahrhundert 361 Mitglieder 2 3 . Was wir vonandern Städten wissen, läfst uns annehmen, dafs in der Regeldie Zahl der patricischen Familien eher noch geringer war.In Augsburg gehörten 1383 der Geschlechtergesellschaft 51 Fa-milien an, doch war die Zahl der Geschlechter in Augsburg wohl gröfser gewesen 8 . In Basel betrug (1456) die Zahl derGeschlechter der oberen Stube 14, die der unteren 9, zusammengab es also in dem damaligen Basel nur 23 Familien, die als Ge-schlechter anerkannt waren 4 . Die Grandi in Florenz einschliefs-lich der „nuova gente“ waren im 13. Jahrhundert nicht mehrals 60 Familien 5 . Die Zahl der „Landheeren“, d. h. derjenigenalten Familien, denen der Grund und Boden von Gent als Lehn,sog. laetschap gehörte, betrug im 18. Jahrhundert 75 6 .
Alles also, was sich später in der Stadt niederliefs, der ganzeTrofs der Kaufleute und Handwerker, der marchands et manou-vriers sans hdritage, mit einem Worte die gesamte städtische Be-völkerung — soweit sie nicht auf städtischem Gebiete oder auf den Be-sitzungen der Kirchen und Klöster Unterkunft fand — siedelte sich aufdem Grund und Boden dieser paar Familien an. Wir müssen uns im An-fang der städtischen Entwicklung die gesamte werkthätige Bevölkerungals Losleute, als Hofsassen der wenigen grundbesitzenden Familiendenken; daher auch zunächst als Bürger minderen Rechts, jedenfalls,ehe sie Hausbesitzer wurden, in ökonomischer Abhängigkeit von denVollbürgern, den Hofherren, zu denen sie, wie man weifs, vielfachsogar in ein direktes Klientenverhältnis treten 7 . Der hierdurch
1 Hanauer, Etudes 1, 140.
2 Ennen und Eckert, Quellen 1, 140.
3 P. von Stetten, Gesch. der adel. Geschlechter in der . . . StadtAugsburg . 1762. S. 42/43.
4 Ochs, Gesch. der Stadt Basel 1 (1786), 480.
8 O. Hartwig, Ein Menschenalter florentiner Geschichte (1250—1292),in der D. Zeitschr. für Gesch.Wiss. 2, 84.
6 Almanak for het Jaer 1787 tot Gent , p. 63, cit. bei Warnkoenig2, 79.
1 von Maurer 2, 235 f. Dieser geniale Forscher unterrichtet noch heute
am besten über die sociale Struktur der mittelalterlichen Städte. Arnold,Freistädte 2, 192 ff. Neuere Untersuchungen haben diesen Sachverhalt in