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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Zwölftes Kapitel. Die Anfänge des bürgerlichen Reichtums.

haben, das sie im wesentlichen im Handel mit der Levante anlegten.Van den Bogaerde de Ter-Brügge, Essai sur limportance du com-merce etc. dans les Pays-bas. 1 (1845), 37.

Italien.

Ich habe wiederholt die Blüte der italienischen Handelsrepubliken mitdem Umstande in Verbindung gebracht, dafs den italienischen Städten radi-kaler als den Städten eines anderen Landes (Belgien vielleicht ausgenommen)die Aufsaugung des Landadels, das inurbamento della nobiltä, gelang, desgrundbesitzenden Adels, der mit dem Eintritt in die Stadt sich meist Handels-und Geldgeschäften hingab. Der folgende Überblick wird daher auch diesesstarke Überwiegen ehemals landsässiger Familien in Handel und Verkehr deritalienischen Städte besonders hervortreten lassen. Es mag nur noch einmaldaran erinnert werden, dafs auch dort, wo nicht ausdrücklich darauf hin-gewiesen ist, selbstverständlich auch die städtische Grundrente (vertretendurch das Patriciat, die Nachkommen der viri liereditati) als Basis des kom-merziellen und industriellen Lebens mindestens dieselbe Rolle spielt, wie bei-spielsweise in Deutschland, wo ich auf sie mein besonderes Augenmerk ge-richtet hatte. Nachweis von ländlicher Grundrente als ursprünglichen Ver-mögensfonds bedeutet also immer nur Nachweis eines Mehr von Substanz, diedemHandel zugeführt werden kann.

Siena.

Die Bankiers und gröfsoren Kauf leute gehörten zumeist dem Adel an.Schulte 1, 278. Siena war früh in den Besitz einer bedeutenden Land-schaft gekommen, aus der die in der Stadt lebenden Eigner grofse Erträgezogen. Poggi, Cenni storici sull agricoltura 2 (1845), 202 f.

Pistoja.

Zu den bedeutendsten Campsores Camerae apost. gehörten Familienwie die Ammanati , Abbati, Bacarelli, Clarenti, Baldi, Ildebrandini. Gottlob,Kreuzzugssteuern, 247.

Piacenza .

Hervorragende Bankiers sind Opizio de Farignano, Rolandus de Ri-palta von der Societas Bernardi Scoti. Gottlob, a. a. O.

tienna.

Aller Handel gröfseren Stils nimmt seinen Anfang auch hier von denadligen Grundbesitzern. ZurCompagna, der Zelle der Kommune,ge-hörte vor allem der grundbesitzende Adel, die viskontilen Geschlechterstanden sogar an ihrer Spitze. Sieveking, Genueser Finanzwesen 1(1898), 5. Die Compagna war nun aber ohne Zweifel eine wesentlich anHandel und Schiffahrt interessierte Genossenschaft, die vor allem den Zweckhatte, ihren Mitgliedern Handelsvorteile zu gewähren. Manche halten siedaher geradezu für eine kaufmännische Gilde oder eineKapitalgenossen-schaft. So Goldschmidt, Univ. Gesell., 140. Ähnlich Heyck, Genua undseine Marine. 1886. In der That hatten nur die Mitglieder der Compagnadie Berechtigung zum überseeischen Grofshandel, nämlich zu der diesen