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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Zwölftes Kapitel. Die Anfänge (los bürgerlichen Reichtums. ;(17

getragen hat, wir möchten ihm für die Güter, die er sowohl drüben in Ve-netien als auch diesseits im Gebiete unseres Reiches erworben hat,einen Schutzbrief ausstellen. Böhmer, Reg. Carol. Nr. 957.

Eine beträchtliche Ausdehnung erfuhr der Landbesitz der vornehmenVenetianer durch entsprechende Verheiratungen. Im 10. Jahrhundert heiratetder Doge Candiano IV. Waldrada , die Schwester des Markgrafen Hugo, eineLangobardin,a qua servorum et ancillaruin copia ingenti praediisque maxi-mis dotalitii juris acceptis .. Dandolobei Muratori SS. 12, 209. Leo, Gesell,der italienischen Staaten 1, 381 weifs von einer Heirat Peter Candians III. imJahre 942 zu berichten, die ihm grofse Besitzungen im Königreich Italien ein-brachte, sodafs er der reichste Mann in Venedig wurde, reich durch Land-besitz. Es ist nicht festzustellen, ob diese beiden Heiraten eine und dieselbePerson betreffen. Aus der Zeit des 13. Jahrhunderts vernehmen wir, dafsLorenzo Tiepolo Güter in Morea zu Lehen trug, seine Söhne aber an reicheErbinnen in Dalmatien und auf dem italienischen Festlande verheiratete.Sanudo, Vite dei Duchi di Venezia (Rer. it. script. 22, 567).

Es ist deutlich wahrzunehmen, wie Venedigs Reichtum in dem Mafse vorallem anwächst, als seine Familien ihren Landbesitz in die neuerworbenenbezw. unterworfenen Länder der südlich gelegenen Küstenstriche ausdehnen.Zunächst handelte es sich um die Einverleibung von Istrien, über das dasSeeland die kirchliche und politische Hoheit sich in dem Mafse sicherte, alsvornehme Venetianer Lehen oder Eigentum auf der Halbinsel erlangten. Vgl.z. B. die Urkunde vom 30. Mai 998, mittels deren Otto III. in Istrien gelegeneLändereien an Dominieus Candiano schenkte, hei Muratori, Antiqu. Ital .1, 577. Ferner das Pactum Justinopolitanum (a. d. 932 dei 14 m. Jan.) inden Fontes rer. austr. 12. 8. und dazu Dandolo bei Muratori 12, 203 f.,da Winther, Markgraf von Istrien . . . die Hintersassen, welche die vene-tianisclien Gutsherren gehörigen istrischen Ländereien bebauten, zu hartemFrondienst anhielt, Gfrörer 236. Genannter Winther erklärt a. 933 (Font,cit. 11)debita, quae Hystrienses ad Veneticos solvere debebant, detineba-mus und gelobt dann, dafs er die proprietates . . .quas ille et Venetieiubicumque habere et possidere visi sunt in finibus Ystrie . . . respektierenwerde. Font. cit. 13.

In das 10. Jahrhundert fällt dann auch die Eroberung Dalmatiens durchPeter II. Orseoll, den ersten Bräutigam der Adria, und damit beginnt eineneue Periode in der Aufhäufung von Reichtum für Venedig. Denn wie wirwissen, sind bezw. werden viele vornehme venetianische Familien Grund-besitzer in dem neu eroberten Küstenlande. Im Jahre 1165 beispielsweiseerscheint ein Domonicus Morosini, Graf von Zara und verlangt mit der Hälfteder Grafschaft Ossero und Zubehör investiert zu werden, auf Grund der Be-lehnungsurkunde, die sein Vater, der verstorbene Doge, ihm und seinen Erbenausgestellt habe. Lenel, Vorherrschaft Venedigs 126127, wo die betr. Ur-kunde in extenso abgedruckt ist.

Zu erwähnen wäre endlich noch, dafs eine grofse Menge von Landrentenin Venedig monetarisiert wurden, die den daselbst residierenden Kirchenfürstenzuflossen. Wir erfahren z. B. von den grofsen Besitzungen Popos, desPatriarchen von Aquileja , der im 11. Jahrhundert nach Venedig übersiedelt.Bei Liruti, Notizie delle cose dei Friuli 3, 273 f., 276 f., 308 f. und öfterswerden eine Menge einzelner Burgen, Ortschaften, Gegenden, Meierhöfe und