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über die Festsetzung der Venetianer in Kreta . Hier wurden nachdem ersten Aufstande der Kreter die Güter der „liebeilen“ zunächsteinmal systematisch „konfisziert“ und nun den venetianischen Nobilizugeteilt. Die Casalia gingen in die Hände der venetianischenKolonisten mit ihrem gesamten Bestände „an Vieh und Sklaven“über. Jeder Kolonist erhielt als erste Ration 25 „Villani“ (alsowohl Hörige) zur Bebauung seines Landes überwiesen h Auf Chios waren die Paroikoi (Villani) Leibeigene der Maona oder einzelnerMaonesen. Ihre Lage war so gedrückt, dafs viele sich durch Fluchtvon der Insel zu retten suchten 1 2 .
Welches das Rechtsverhältnis war, in dem die gewerbe-treibende Bevölkerung in den Städten vor Ankunft derItaliener sich befand, bezw. in welches sie später geriet, vermagich nicht deutlich zu sehen. Nach dem jedoch, was wir über ihre Zu-sammensetzung und Organisation erfahren 3 , scheint mir der Schlufszulässig, dafs ein grofser Teil in einem sklavenartigen Verhältniszu den herrschenden Klassen stand, mindestens aber zu Abgabenund Leistungen in starkem Mafse verpflichtet war. Wäre das nichtder Fall gewesen, d. h. hätte der Beherrscher einer Stadt keineVorteile von ihren Bürgern gezogen, so wäre ja die Zuteilung vonganzen Stadtteilen, wie sie bekanntlich der Regel nach stattfand,ohne allen Sinn gewesen.
Nun müssen wir aber, um das Exploitationsfeld, das sich denItalienern in der Levante erschlofs, in seiner ganzen Ausdehnungzu ermessen, in Betracht ziehen, dafs während der ganzen Zeitihrer Kolonialherrschaft das Arbeitermaterial durch fortgesetztestarke Zuführung von Sklaven unaufhörlich vermehrt wurde.Byzantiner und namentlich Araber hatten bereits einen schwung-vollen Sklavenhandel getrieben. In das Kalifenreich wurdenschwarze sowohl als weifse Sklaven jährlich zu vielen Tausendenimportiert. Die ersteren bezog man aus Zawyla, der damaligenHauptstadt der Landschaft Fezzan, wo ein Hauptmarkt hierfür war,aus Ägypten oder von der afrikanischen Ostküste, „und zwar insolchen Massen, dafs mehrmals gefährliche Sklavenaufstände statt-fanden“ ; die weifsen kamen aus Centralasien oder aus den frän-
1 Noiret, 1. c., und dazu A. Haudecour, Introduction.
2 Art. Giustiniani, a. a. 0. S. 338 ff.
8 von Kremer, Kulturgeschichte 2, 152 f. Ein grofser Teil der städti-schen Bevölkerung im Kalifenreichc rekrutierte sich aus Sklaven.