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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

fiel. Kontributionen und gezwungene Lieferungen ,om niets* oderzu äufserst niedrigen Preisen füllten aufs neue die Kassen der Com-pagnie, bis auch diese letzte Quelle mehr und mehr zu versiegenbegann und gleichfalls der Erschöpfung anheimfiel 1 .

Nehmen wir alles dies zusammen, so kann die Bedeutung derKolonialwirtschaft für die Steigerung des europäischen Reichtumsnicht zweifelhaft sein: genauer gesprochen für die Entfaltung desKapitalismus . Denn zunächst natürlich war der Effekt kein anderer,als dafs grofse Geldvermögen sich in den Händen einzelner Per-sonen ansammelten, die zur Förderung kapitalistischer Unterneh-mungen die nötigen Fonds lieferten.

Womit nun aber vor allem die präponderante Stellung be-gründet wird, die die Kolonialwirtschaft in der Entwicklungs-geschichte des Kapitalismus ohne Zweifel einnimmt, ist der ent-scheidend wichtige Umstand, dafs sie Accumulation aus Pro-duktionsprofit gestattet, ehe alle Bedingungen fürkapitalistische Produktion erfüllt sind. Dies aber leistetsie wiederum nur dadurch, dafs sie auf Zwangsarbeit aufgebaut ist.Dieses Moment befähigt sie, einem Unternehmer Profit abzuwerfen,auch ehe die erforderliche Geldaccumulation stattgefunden hat,auch ehe sich ein besitzloses Proletariat entwickelt hat, auch ehedie terra libera verschwunden ist 2 . Deshalb ist die Kolonialwirt-schaft nicht Kapitalismus, sondern hilft ihn begründen. Deshalbfand sie auch hier schon ihre Erledigung, wo wir der Genesis desmodernen Kapitalismus nachspüren. In dessen Theorie ist sie zuwürdigen als eines der wesentlichen Förderungsmittel der Accumu-lation von Geldvermögen.

C. Die vermehrte Znfnhr von Edelmetallen aus den Kolonial-gebieten.

Wenn wir nun im folgenden auch noch von den übrigenFormen der Accumulation und ihrer Modifikationen im

1 H. Bokemeyer, 275.

2 Uber diese Zusammenhänge handelt Loria vortrefflich. Er hat sichmerkwürdigerweise als Argument für seine Theorie von der terra libra, dieübrigens bei Wakefield undMerivale und danach bei Marx schon impli-cite vorhanden ist, die Thatsache des Kuins der meisten Kolonien infolgeAufhebung der Sklaverei entgehen lassen. Über diese bringt reiches Materialbei K. Andrde, Geographie des Welthandels 2 (1872), 695 ff'. Vgl. auch Meri-vale 1, 84 f. und neuerdings A. Weber, Zur wirtschaftlichen Lage in dentropisch-südamerikanischen Staaten, in Schmollers Jahrbuch 25 (1901), 222 ff.