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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Dritter Abschnitt.

Die Genesis des kapitalistischen Geistes.

Vierzehntes Kapitel.

Das Erwachen des Erwerbstriebes.

Accumulierte Geldmünzen nehmen so lange keine Kapitaleigen-schaft an, als ihre Besitzer mit ihnen nicht die bestimmten Zweckekapitalistischer Unternehmung verbinden: das lehrten uns die

theoretischen Erwägungen. Die Geschichte aber berichtet uns, dafsjene Erfüllung vorhandener Geldbesitzer mit kapitalistischem Geisteauch empirisch keineswegs mit der Entstehung gröfserer Geldvermögenzusammenfällt. Um von den Schatzbildungen bei unkultivierten oderbarbarischen Völkerschaften zu schweigen: auch in einer Umgebung,wie sie das europäische Mittelalter bot, begegnen uns genugsamGeldbesitzer, denen jeder Anflug von kapitalistischem Unternehmer-tum fremd ist. Ich brauche nur an die Fürsten und Könige, dieBischöfe und Päpste, die Klöster und Orden zu erinnern, in derenHänden ja die erste Accumulation von gröfseren Geldbeträgen er-folgt. Ihnen allen ist die Auffassung gemeinsam, dafs Geld zumAusgeben da sei: möge man damit Kriege oder Kreuzzüge insLeben rufen, die Armen und Notleidenden unterstützen oder sichund den Seinen ein behagliches Leben bereiten. Überall kehrt derGrundgedanke aller vorkapitalistischen Zeiten wieder: dafs derjenige,der reich sei, damit das Privilegium erworben habe, sich um wirt-schaftliche Dinge nicht kümmern zu brauchen. Und diese Auf-fassung überträgt sich auch auf die privaten Geldbesitzer derfrüheren Zeit. Dem Ideenkreise des Ritters entspricht die Vor-stellung, dafs weder Erlangung, noch Verwendung des Reichtumsmi t schmutziger wirtschaftlicher Thätigkeit etwas zu thun haben.