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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

Thatsache erinnern, dafs vielerlei Ursachen zusammenwirkten, umden faktischen Geldbedarf in zahlreichen Schichten der Bevölkerungzu steigern. Wir wissen, dafs es zunächst rein ideale Bestrebungenwaren, die zu ihrer Durchführung immer gröfsere Anforderungenan die Zahlungsfähigkeit ihrer Beförderer stellten. Die grofse,das ganze christliche Mittelalter erfüllende und mit ihrer Glut er-wärmende Idee des Kampfes gegen die Ungläubigen, die Sehnsuchtnach einer Wiedereroberung des heiligen Grabes vor allem sind es,die immer wieder die ungeheuren Summen verschlingen, die Königeund Päpste zusammenzubringen nicht müde werden. Zwar waranfangs ein gut Teil der Leistungen ohne Vermittlung des Geldesvollbracht worden. Sehr bald aber mufste die Lostrennung derKämpfer von ihrer heimatlichen Scholle, mufste zumal die immernotwendiger werdende Vermittlung der italienischen Händler-republiken bei den gröfsten Werken dieser Art den Kreuzzügen einen wachsenden Bedarf an barem Gelde erzeugen.Das Geldsoll niemals eine gröfsere Rolle im Kriege gespielt haben als geradeim 13. Jahrhundert, urteilt einer der besten Kenner jener Zeit 1 .Und noch die Fahrten nach der Goldküste im 16. Jahrh. wurden vonden spanischen Fürsten aus keinem andern Grunde unterstützt, alsweil man hoffte, durch sie die Mittel zu gewinnen, die es ermög-lichen sollten, den Kampf gegen die Ungläubigen in verstärktemMafse fortzusetzen.

Aber wie wir es so oft in der Geschichte beobachten: das,was man am Ende erreichte, war das genaue Gegenteil von dem,was man erstrebt hatte: man war ausgezogen um der Ehre Gotteswillen, erfüllt von den idealsten Motiven. Und man brachte denGeist der Kinder dieser Welt zurück. Denn jene Verweltlichungder gesamten Lebensauffassung, wie wir sie gegen Ende desMittelalters allerorts Platz greifen sehen, sie war die unmittelbare Folgejener vielen Glaubenskriege gewesen, die die früheren Generationengeführt hatten. Es ist die Berührung mit den reichen, glanzvollenKulturen der Byzantiner und Araber, die den Sinn für die Freudendieser Welt erweckt, die den Begehr nach Luxus und Wohllebenerzeugt. Wer wüfste es nicht. Und weil der Schwerpunkt desLebens langsam in die Städte verlegt wurde, so war es selbstver-ständlich, dafs es in wachsendem Mafse der Vermittlung des Geldesbedurfte, um sich in den Besitz der Güter zu setzen, von denen

1 A. Gottlob, Päpstliche Darlehnsschulden im Histor. Jahrbuch 20(1899), 666.