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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
quien lo tiene, hace cuanto quiere en el mundo y llega que echalas animas al paraiso 1 .“
Solche Überwertung der Geldes mufste notwendig das Ver-langen steigern, sich in seinen Besitz zu setzen. Und dieses Ver-langen mufste dazu führen, auf Mittel und Wege zu sinnen, es zubefriedigen. Und in der That beobachten wir gegen Ausgang des Mittel-alters, wie sich die Arten mehren, zu Gelde zu kommen.Jeder nach seinem Können wufste Methoden ausfindig zu machen,mittelst deren er sich in den Besitz des kostbaren Edelmetalls zusetzen vermöchte. Wer Macht im Staate besafs, nutzte dieseaus, um das ersehnte Ziel zu erreichen. Die Kaiser und Könige,sowie die Grofsen im Lande sannen auf neue Steuern und Auf-lagen, wenn sie nicht vorzogen, die Städte zu schätzen oder dieJudengemeinden auszurauben. Der Ritter aber, der kleine Grund-eigner, erinnerte sich seiner Bauern, deren Lasten er in Geld um-wandelte und allerorts erhöhte. Oder aber, er folgte der Auf-forderung des Liedersängers 2 , der ihm diese Weisung gab:
„Wiltu dich erneren„du junger edelman,
„folg du miner lere„sitz uf, drab zum ban!
„halt dich zu dem grünen wald„wan der bur ins holz fert„so renn in freislich an!
„derwüsch in bi dem kragen„erfreuw das herze din„nimm im was er habe„span uss die pferdelin sin!“
Wenn er es nicht vorzog, auf edleres Wild zu pürschen undden Pfeffersäcken ihre Ladungen abzujagen. Der Raub bildeteimmer mehr die selbstverständliche Erwerbsart des vornehmenMannes, dessen Renten allein nicht ausreichten, um den wachsendenAnforderungen an täglichem Aufwand und Luxus zu genügen. DasFreibeutertum galt als durchaus ehrenhafte Beschäftigung, weil esdem Geiste des Rittertums entsprach, dafs jedermann das an sichbringe, was der Spitze seines Speers und der Schärfe seinesSchwertes erreichbar war. Bekannt ist, dafs der Edle Raubritterei lernte wie der Schuster die Schusterei. Und im Liede heifst eslustig:
1 Cit. bei Al. von Humboldt, Examen eritique de Phistoire de la Geo-graphie du nouveau continent 2 (1837), 40.
2 Uhl and, Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder 1 (1844), 339.