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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

Stimmungen und ihnen folgenden abenteuerlichen Unternehmungenso lebendig zu schildern, wie sie es verdienen. Ich mufs es mirgenügen lassen, jene eigenartigen Phänomene überhaupt einmal inden Zusammenhang wirtschaftsgeschichtlicher Betrachtungen ver-flochten zu haben. Die Thatsachen selbst, die zu berichten wären,sind ja im allgemeinen bekannt.

Das Goldgräb ertum findet seinen Ausdruck in der epi-demisch auftretenden Schatzgräherei nicht minder, als in demSchürferparoxismus jener Zeit, von dem wir schon einige Probenkennen lernten. Das Charakteristische der damaligen Bewegungendieser Art, was sie von den heutigen wesentlich unterscheidet, istja: dafs sie alle mit Märchen und Sagen noch umwoben waren.Der Aberglaube romantischer Zeiten verleiht dem Bilde erst seinensatten warmen Glanz.Schwarz und stürmisch war die Nacht,in der der Schatzgräber auszog: und auf die gelernte Weise gruber nach dem alten Schatze auf dem angezeigten Platze. Allejene abenteuerlichen Vorstellungen steigerten sich nun aber insUngeheure, Krankhafte, wo sie ihre Nahrung aus gelegentlichenBerichten über ferne, unbekannte Länder sogen. So konnte dieliebenswürdige Sage vom Dorado entstehen, jenem Wunderprinzen,der täglich von neuem mit einem Gewände von eitel Golde be-kleidet wurde, um es in den Fluten eines Sees Abend für Abendwieder zu verlieren. So stieg das Trugbild des goldenen Hausesder Sonne und der Stadt Manoa vor den hell sehenden Augenjener Menschen auf, die nicht nur Phantasie genug besafsen, analle jene Wundermärchen zu glauben, sondern auch Entschlossen-heit und Wagemut, um die kühnsten Pläne zu abenteuerlichenFahrten zu entwerfen und auszuführen. Es begegnet uns hier, wieso oft in jenen ursprünglicheren Zeiten, die Erscheinung, dafs ganzund gar auf materiellen Besitz gerichtete Strebungen mit dem selt-samsten Schnörkel- und Rankenwerk gläubiger Romantik, opfer-freudigen Idealismus umwoben in der Geschichte auftreten.

Ähnlich verhält es sich mit der Alchemie. Hier läfst sichsogar das noch wunderbarere Phänomen beobachten, dafs hinterdem tiefen Drang, der Natur ihre Geheimnisse zu entlocken,schliefslich der ursprüngliche Zweck der Goldgewinnung zeitweiseganz und gar zurücktritt b Bis schliefslich dann die Vorstellung

1 Gewifs haben wirdaran zu denken, dafs während mehr als 1000 Jahrendas ganze chemische Wissen nur als Alchemie zusammengefafst war: und umdeswillen, dafs es der Lösung des Problems, wie edle Metalle künstlich her-vorzubringen seien, diene (H. Kopp, Die Alchemie 1 [1886], 12); aber wir