Vierzehntes Kapitel. Das Erwachen des Erwerbstriebes. ;}89
Des weiteren mufsten es Menschen sein, in deren Innerem kein Raumfür die Träumereien und Phantastereien der Goldgräber und Ilerme-tiker war: nüchterne Naturen ohne rechten Schwung der Seele.Dafür aber mit unterschiedlichen geistigen Qualitäten ausgestattet,Leute mit kühler Berechnung und verstandesmäfsiger Auffassungder Dinge, die der anderen Thun leicht zu durchschauen die Gabehatten. Endlich noch mufsten sie eine gewisse Vertrautheit mit demAlltagskram des Wirtschaftslebens besitzen, sie mufsten wohl schondurch gelegentliche Kreditgeschäfte instinktive Empfindungen er-worben haben, es lasse sich aus Geld wirklich Geld machen.
Also unter den besseren Krämern, in den Kreisen der Winkel-wucherer haben wir die Menschwerdung des kapitalistischen Geisteszu vermuten. Der Erwerbstrieb in dem umschriebenen Sinne isteine specifisch plebejische Seelenstimmung. Er ist die Triebkraft,mittelst deren die Massen das Gefüge der alten aristokratischenWelt erschüttern. Er trägt alle Wahrzeichen des Parvenutums an sich.Er wirkt dann aber selbst demokratisierend im eminenten Sinne, erwird das eigentliche Pundamentum der modernen Gesellschaft. Erwirkt zerstörend vor allem dadurch, dafs er wie eine ansteckendeKrankheit rasch um sich greift und bald sämtliche Kreise einer Be-völkerung, auch die vornehmeren, erfafst. Ist eine Gesellschaftihm anheimgefallen, ist durch ihn eine neue Schichtung der ge-samten Bevölkerung bewirkt, so verschwindet allmählich der Makelseiner Herkunft. Wir aber, die wir hier nur dieser nachzuspürenhaben, müssen uns damit begnügen, festzustellen, dafs er von untenher, aus den Tiefen der Gesellschaft, emporgestiegen ist.
Das zweite aber, was sich mit einiger Gewifsheit aussagen läfst,ist dieses : dal's sich der Erwerbstrieb im Verk ehr mit Stammes-fremden entfaltet haben wird. Erst hier konnte der GedankeWurzel schlagen, dafs man eine wirtschaftliche Vornahme dazubenutzen könne, um sich durch ihre geschickte Bewerkstelligungzu bereichern. Wie ja der entgeltliche Verkehr überhaupt sich erstzwischen Fremden entwickelte. Es wurde schon bemerkt, dafs dieunentgeltliche Hilfeleistung oder Schenkung allem natürlichen Em-pfinden allein entspricht:
„If thou wilt lend this money, lend it not
As to thy friends; for when did friendship take
A breed for barren metal of his friend?
But lend it rather to tbine enemyWho, if he break, thou mayst with better faceExact the penaltv.“spricht noch Antonio zu Shylock.