Fünfzehntes Kapitel.
Die Ausbildung des ökonomischen Rationalismus.
Während wir, wie das voraufgehende Kapitel erkennen läfst,auf allgemeine psychologische Schlüsse angewiesen sind, um dasDunkel wenigstens in etwas zu durchleuchten, das die Geburts-i stunde des Erwerbstriebes umhüllt, bieten sich wieder mehr that-
sächliche Anhaltspunkte dar, wenn wir unser Augenmerk dar-auf richten, wie denn nun der neue Zweckgedanke sich zu dem^ vollendeten System kapitalistischer Wirtschaftsbetrachtung auswächst.
Zu dieser gehört, wie wir wissen, neben der auf den Erwerb ge-richteten Willensverfassung ein ökonomischer Rationalis-mus, wie ihn bis dahin die Welt noch nicht gekannt hatte. Erstwenn dieser sich mit dem Erwerbstriebe zu einer organischenEinheit zusammenschliefst, können wir im wahren Sinne von einemneuen kapitalistischen Geiste reden.
Hier begegnet uns nun abermals in der überaus kompliziertenPsychogenese des Kapitalismus ein höchst frappantes Phänomen.Wir beobachten nämlich, wie es dem neuen Zweckgedanken all-mählich gelingt, sich das Mittel zu seiner Realisierung — das Wirt-schaftsleben —• in seinem Sinne völlig umzugestalten. Und zwardadurch, dafs er es in eine Reihe von Rechenexempeln auflöstund diese zu einem kunstvollen Ganzen neu zusammenfügt: dasWirtschaften mit einem Worte zum Geschäft macht.
Dazu bedurfte es jedoch einer eigenartigen Technik des mensch-lichen Denkens, deren Ausbildung die letzten Jahrhunderte deseuropäischen Mittelalters ausfüllt.
Was geschaffen werden mufste, war erstens eine Methode zurexakt genauen rechnerischen Feststellung jedes einzelnen Geschäfts-falles und zweitens eine Methode zur systematischen Erfassung eines