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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.

gottes, damit die mensclien nit zu üppig werden.Und were onedie steibunge gar ze vil volcks in den landen, was auch nit gutwere wegen der narunge 1 .

Dazu kam die verwüstende Wirkung der ewigen Kriege, die,dank des immer blutigeren Verlaufs der Schlachten, die Söldner-heere rasch decimierten, aber auch infolge der rücksichtslosenKriegsführung unter den Nichtkombattanten gelegentlich furchtbaraufräumten.

Genaue ziffermäfsige Erfassung der Bevölkerungsbewegung vordem 19. Jahrhundert ist bei der Dürftigkeit und Unzuverlässigkeitder Quellen nicht möglich. Immerhin genügt das, was wir anZahlenmaterial besitzen, vollkommen, um die Richtigkeit des allge-meinen Schlusses zu bestätigen, dafs im ganzen die europäische Bevölkerung bis zum 18. Jahrhundert sich nur langsam vermehrteundauch die Zunahme des 18. Jahrhunderts noch immer einegeringe ist 2 . In Deutschland , wo die Bedingungen für dieBevölkerungszunahme im 15. und 16. Jahrhundert sich in mancherHinsicht gebessert hatten, wird durch den dreifsigjährigenKriegder Bevölkerungsstand . . . für lange Zeit zurückgeworfenund erholt sich im 18. Jahrhundert im ganzen langsam. Frank-reich hatte nach Froumenteau unter Heinrich III. (15741589)14 Millionen Einwohner; nach dem Tode Ludwigs XIV. 18 Milk,erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Bevölkerungszahlwieder erreicht, welche Fiankreich bereits in der ersten Hälfte des14. Jahrhunderts gehabt hat. In Belgien und Holland wieder-holt sich die Erscheinung einer sehr geringen Bevölkerungsver-mehrung während dreier Jahrhunderte. Für das Gebiet desheutigen Königreichs Italien läfst sich die Bevölkerung in derzweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf ungefähr 11 Millionen an-nehmen. Ungefähr ebenso stark war seine Bevölkerung am Anfangdes 18. Jahrhunderts; von da ab datiert eine Aufwärtsbewegung.In Spanien ist die Bevölkerung im 16., noch mehr aber im 17.aufserordentlich zurückgegangen. In England ist sie bis Endedes 16. Jahrhunderts stationär, seitdem beginnt sie zu steigen, er-reicht aber in der Mitte des 18. Jahrhunderts erst 6 Millionen.

Es ist also Thatsache , dafs trotz hoher Geburtenziffern dieLänder Europas bis zum 19. Jahrhundert menschenarm blieben,

1 Vgl. Ja ns sen 1, 356/57. Daselbst auch viel statistisches Material.

2 von Inama, im H.St. 2 2 , 661. Demselben Gewährsmann sind auchdie Angaben für die einzelnen Länder entnommen.