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Pferde. Er vor allem ist der typische Gemeindehandwerker; eineArt von Demiurg, wie bei Homer , der seit Jahrtausenden in denDorfgemeinschaften in gleicher Weise sein Gewerbe auszuüben be-rufen ist. Er wird auch vielfach, sogar noch heute hier und da,gleichsam als Dorfangestellter aufgefafst, erhält von Gemeinde wegenden nötigen Unterhalt geliefert und ist gegen geringen Einzelentgeltverpflichtet, die in den Bauernwirtschaften notwendig werdendenArbeiten zu verrichten. Ein Bericht aus Nakel (U. IV, 238) schildertdie Stellung eines solchen Gemeindeschmieds also:
„Die Einnahmen des Gemeindeschmieds .... sind folgende:
Bar 90,— Mk.
Roggen, 20 Ctr.
, . . 100,— -
Gerste, 8 Ctr.
. . 40,- -
10000 Stück Torf . . . .
. . 30,— -
Brennholz.
. . 20,- -
Weide (ohne Winterfutter) .
. . 100,— -
Wohnung.
Gartenland (1 Morgen) . .
. . 20,— -
Zu dieser Summe, für welche der Hufbeschlag und alle laufendenReparaturen an Ackergerät der Gemeindemitglieder ausgeführtwerden müssen, treten noch etwa 200 Mk. für die besonders zuzahlenden Arbeiten, welche im Auflegen neuer Reifen (3 Mk.) undim Beschlagen neuer Ackerwagen (15 Mk.) bestehen. LetztereThätigkeit umfafst die Herstellung und Anbringung aller zu demWagen nötigen Eisenteile. Die Verpflichtung zur Leistung desDeputats ruht auf der Gemeinde, da diese als solche den Kontraktschliefst. Die Gemeindeschmiede müssen aber ihr Deputat bei deneinzelnen Besitzern in geringsten Quoten, bis zu 1 U Metze . . herab,einsammeln. Dies geschieht vierteljährlich. Die von den Einzelnenzu gewährenden Mengen sind nach Mafsgabe des Grundbesitzes,
Brettern mancher Art stand, lag oder hing.“ Auf Wittow ( Insel Rügen)wurde der Hofknecht, der in der sog. Haubusse (einem zur Zimmer- undTischlerwerkstätte eingerichteten Stall) sich der Verfertigung des Nutzzeugesund der Ausbesserung anderer landwirtschaftlicher Geräte annahm, der Bild-hewer (Bildhauer) genannt. Überhaupt scheinen die Rügener Bauern beson-ders universelle und entwickelte Eigenproduzenten gewesen zu sein; sie treiben,heilst es in einer zeitgenössischen Chronik, „aufser dem Ackerbau, der Vieh-zucht und Fischerei mancherlei nützliche Dinge, spinnen, weben, stricken,nähen, schneidern, schustern, schnitzen künstlich in Holz und sind nicht ohneAnlage zu mechanischen jArbeiten“. Grümbke, Geographisch-statistisch-historische Darstellungen von der Insel Rügen. 1847. S. 60 fl'.