458 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .
Diese Haarhutfabrikation ist noch in der Mitte des Jahrhundertsdurchaus handwerksmäfsig organisiert. Der Hutmacher in der erstenHälfte des Jahrhunderts vereinigte den Produktionsprozefs in seinerWerkstätte. Vor dem Verschleifslokale der meisten Hutmacherhing in den Wintermonaten eine Tafel mit der Aufschrift: „Hasen-bälge werden hier angekauft.“ Ein Balg wurde mit 10—15 Kreuzernbezahlt und mancher Hutmacher erstand im Jahre durch denEinzelankauf aus den verschiedenen Haushaltungen seiner Umgebung400—500 Hasenbälge. Allerdings reichte das so beschaffte Rohmaterialnicht aus und es wurden Hasenfelle aus Böhmen, Mähren , aberauch aus der Moldau und Walachai bezogen h „Alle Produktiongeschah für den lokalen Markt. Die Betriebsform war allein dasHandwerk. Ihren Absatz fanden die Produkte bei den Konsumenten,nicht bei den Wiederverkäufern. Eine Ausnahme von dieser Regelmachten während der Messe die Bestellungen von Kinderhüten,welche die Hutmacher von griechischen Kaufleuten erhielten. Dochwaren diese Aufträge nur geringfügig (zwei bis drei Dutzend fürden Meister) und nicht regelmäfsig. Schliefslich blieben sie ganzaus. Einen Einflufs auf die Entwicklung des Gewerbes haben sienicht ausgeübt. So konnte man denn bei Gelegenheit der Umfragevon 1856 sagen, dafs die Hutmacherei noch ein durchaus zünftigesGewerbe bilde und dafs sie hinsichtlich ihrer Erzeugnisse der Kon-kurrenz des Fabrikbetriebes nicht ausgesetzt sei.“ Abgesetzt wurdendie Hüte entweder auf den Jahrmärkten (U. VI, 301) 1 2 oder amProduktionsort. Sei es in der Wohnung des Hutmachers, sei es,was in der Mitte des Jahrhunderts der häufigere Fall war, in be-sonderen Geschäftslokalen aufserhalb der Wohnung. So hieltenvon den 13 Leipziger Hutmachern im Jahre 1845 10 einen separatenLaden 3 . „Handwerksmäfsige Erzeugung des Filzhutes als Luxus-artikel für den lokalen Markt, durch eine kleine aber wohlsituiertevon keiner äufseren Konkurrenz bedrohte Handwerkergruppe —das ist das Bild, welches die Hutmacherei in Brünn und in allenübrigen Städten in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhundertsbietet 4 .“
Der Rest der menschlichen Gewebekleidungsgewerbe zerfälltseit altersher in die stofferzeugenden und stoffverarbeitenden Thätig-keiten. Erstere pflegen wir unter der Bezeichnung der Textil-
3 U. VI, 300.
4 UOe., 470.