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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

trotz der besonders vorzüglichen Arbeiten über das Tischlergewerbein unsernUntersuchungen nicht in der Lage, ein in allenEinzelheiten getreues Bild von dem damaligen Zustande des Ge-werbes zu entwerfen und werden uns wohl für immer mit allge-meinen Schlüssen begnügen müssen.

Was wir mit einiger Sicherheit sagen können, ist dieses: dafsjedenfalls in den gröfseren Städten schon damals das Möbel-magazin eine Rolle zu spielen begonnen hatte; wir schliefsen dasaus den Ziffern, die uns für einzelne Städte überliefert sind, wirschliefsen es aber auch aus dem in den 1840er Jahren vielerortsauftauchenden Bestreben der Tischlermeister, durch genossenschaft-lichen Zusammenschlufs die Vorzüge des Magazins allgemein zumachen. Nur dürfen wir uns über den Charakter jenerMagazinekeinen falschen Vorstellungen hingeben. Zunächst dürfen wir an-nehmen, dafs sie zu einem grofsen Teile noch in den Händen derwohlhabenden Tischlermeister selbst waren; also denLaden dieserHandwerker bildeten, nach Art der offenen Läden anderer Hand-werker. Sodann aber wird ihr Inhalt ein wesentlich anderer ge-wesen sein, als der etwa moderner grofsstädtischer Möbelmagazine.Ein oder das andere auf Vorrat gearbeitete, oder stehen gebliebeneMöbel wird darin untergebracht gewesen sein: gewifs keine kom-pletten Einrichtungen und Ausstattungen. Vergessen wir doch nicht,dafs die Sitte, sämtliche Möbel und Dekorationsstücke eines ZimmerszuEinrichtungen zusammenzustellen, zum ersten Male auf derWiener Weltausstellung 1873 geübt wurde. Die Aufstellung einzel-ner Möbelstücke in einem Laden schliefst deshalb gewifs nicht aus,dafs der Magazininhaber in demselben Hause oder in einer Seiten-strafse seine Werkstatt hielt, in der der gröfste Teil der Arbeithandwerksmäfsige Kundenaibeit war. Ich glaube vielmehr be-stimmt, wir dürfen letzterer, nun zumal in kleineren Städten, wohindoch sicherlich nur ganz verschwindend wenig fertige Möbel drangen,für die 1840er Jahre noch den bei weitem breitesten Raum in derThätigkeit des Möbeltischlers einräumen. Wenn auch ein weit-gehender Differenziierungsprozefs den bessern, wohlsituierten magazin-haltenden Tischlermeister von dem halb proletarisierten Allein-arbeiter sicherlich schon geschieden hatte.

Dafs die Technik der Möbeltischlerei noch durchaus die hand-werksmäfsige war, Maschinen noch nicht zur Anwendung gelangtenund die Specialisation in den Anfängen stand, wird nicht bestritten(U. IV, 338). Holzbezug wie bei der Bautischlerei: Vgl. oben S. 465.

Die Form der Möbel war die denkbar geschmackloseste;