Zwanzigstes Kapitel. Die gesellschaftliche Struktur. 43 1
und Arbeiter; die horizontale Gliederung in Unternehmertum undProletariat steht dem gegenüber noch zurück. Das tritt vielleichtam deutlichsten in der Sinnesart der Bergarbeiter hervor. Manlese die Schilderungen*, die Peter Mischler von ihnen entwirft.Er findet, dafs „Alles, was Bergmann heifst, seien es Bergarbeiteroder Grubenvorstände oder Staatsbeamte, von einem und demselbenStandpunkte aus auf das bürgerliche Leben und alle socialen Ver-hältnisse hinblickt, sich selbst aber in einem gemeinsamen Standevereinigt betrachtet“ 1 . „Die Gemeinschaft in Gefahr und in Freudebei glücklichen Anbrüchen, in Hoffen und Harren nach lange er-sehntem Erfolge, eine Gemeinschaft, die Hohe und Niedere ingleichem Mafse teilen; dies ist es, was den Bergmannssinn hervor-ruft, und dieser Sinn ist es, der den Bergmannsstand erzeugt undihm sein eigentümliches Leben einflöfst“, so schildert ein andererKenner die damaligen Zustände 2 3 * * * * .
Und wenn etwa die Arbeiterschaft revoltiert und nicht nurgegen Maschinen eifert oder Salons der Fabrikanten demoliert 8 , so
1 P. Mischler, Das deutsche Eisenhüttengewerbe. 2 Bde. 1852. 54.1, 127.
2 Freiesieben, Darstellung der Grundlagen der sächsischen Bergwerks-verfassung. S. 270. Cit. bei Gustav Schmoller , Die geschichtlicheEntwicklung der Unternehmung. X. Die deutsche Bergwerksverfassungvon 1400—1600 (Jahrbuch XV. 964—1029), wo die durchaus handwerksmäfsiggedachte ältere Arbeitsverfassung im deutschen Bergbau, allerdings vor-wiegend Silberberghau, eingehend dargestellt ist. „Was damals festgesetztwurde, ist für Jahrhunderte bestimmend geblieben, hat den Bergarbeiter-stand geschaffen, wie er noch vor 30 Jahren in Deutschland be-stand“ (a. a. O. S. 1009). Es mag an dieser Stelle auch daran erinnert werden,dafs erst die preufsische Berggesetzgebung von 1851—65 für Preufsen dieRechtsbasis für einen modern (hoch-)kapitalistischen Bergbau schuf. Erst da-mals wurden die Regalverfassung und die staatliche Anteilnahme am Ertrageder Bergwerke sowie die bureaukratische Bevormundung der Privatbergwerkebeseitigt und der Gewerkschaft durch Annäherung an die Aktiengesellschafteine leistungsfähigere Form gegeben.
3 Weberaufstände der 1840er Jahre in Schlesien ! „Unter vielen voneuch, redet Robert Heym, ein Maschinenfabrikant aus Chemniz, diedeutschen Arbeiter an, wurzelt neben manchem andern hauptsächlich eingefährliches Vorurteil . . . Einige glauben nämlich, dafs sie dadurch Arbeit
erhalten und Verdienst erlangen können, wenn die oder jene Maschine be-
seitigt wird. Die Drucker z. B. wollen die Perrotinen- und Walzmaschinen
abgeschafft oder doch so eingeschränkt wissen, dafs daneben die an jedemOrte vorhandene Anzahl von Druckern beschäftigt werden kann; die Weber
stemmen sich hier und da gegen die Einführung des mechanischen Webstuhls