Zwanzigstes Kapitel. Die gesellschaftliche Struktur. 483
«ist, noch ohne recht eigenes Leben, ein Zwitter zwischen Proletund Patricier, unheilvoll vor allem für die ästhetische Entwicklungauch der gewerblichen Produktion: die berühmte „erste Generation“industrieller Unternehmer, von denen kein Land verschont ge-blieben ist.
Aber neben diesem doch immerhin schon echten Unternehmer-typus wimmelt es von allerhand halbkapitalistischen Gebilden. Daist zunächst der vom Handwerker ausgegangene „kleine Fabrikant“,der kleinkapitalistische Unternehmer, wie wir ihn nennen: derKlempnergeselle, der eine Metallwarenfabrik begründet, der Tuch-machermeister, der einen Webstuhl nach dem andern aufgestellthat, bis er Inhaber einer „Tuchfabrik“ geworden 1 , alle jene Zwitter-gestalten, wie wir ihnen ja heute auch noch massenhaft begegnen,die aber naturgemäfs heute nicht mehr zu den tonangebenden Ele-menten im Unternehmertum gehören. Wie sehr sie damals dominierenmufsten, lehrt ein Blick auf die Ziffern der Betriebsgröfsenstatistik,nus der, wie wir schon feststellen konnten, eine winzige Durch-schnittsgröfse als das charakteristische Merkmal in die Augen fällt.
Da sind in manchen Industrien ferner die halbfeudalen Grund-herren, die nebenbei auch industrielle Unternehmungen auf ihrenBesitzungen errichten, um deren Erzeugnisse besser zu nutzen.Das waren beispielsweise in Schlesien meist die Inhaber der Erz-gruben und Eisenhütten in damaliger Zeit 2 .
Da finden wir endlich — zumal in der Montanindustrie wieder-um — jene eigenartigen Zwitterbildungen: halb Bauer, halb Hoch-ofen- oder Hüttenbesitzer, entweder als kleine Einzelproduzentenihr Handwerk treiben 3 oder zu den ursprünglich rein handwerks-mäfsig gedachten, allmählich erst mit kapitalistischem Geiste er-
1 Vgl. Schmoller, Kleingewerbe, 580/81. Für Berlin: „In der Haupt-sache (?) erwuchs die Grofsindustrie aus dem Handwerk, indem tüchtige, intelli-gente Meister, die durch die vorzügliche Schule des Kgl. Gewerbeinstitutsgegangen waren, sieh im Ausland und namentlich in Paris die nötigen tech-nischen Fähigkeiten vollends angeeignet und nach der Heimat zurückgekehrtFabriken gründeten.“ 0. Wiedfel dt, a. a. 0. S. 79.
2 „Der Grundherr ist hier Eigentümer der Eisenerze und verhüttet jähr-lich nur soviel, als bei jenen Holzvorräten möglich ist, die für ihn auf anderemWege nicht verwertbar sind“: ein Umstand, in dem ein wesentlicher Hinde-rungsgrund für die Entwicklung des Hüttengewerbes erblickt wurde: P. Mi sch -ler, a. a. 0. 1, 201/2.
3 Banfield, 2, 100. „The ten iron-fumaces of the district (sc. Siegen).are worked mainly by the proprietors; some few capitalists of Siegen having
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