Einundzwanzigstes Kapitel. Fälle indirekt. Abhängigkeit v. Kapital. 493
Ganz ähnliche Vorgänge wie die für Breslau geschilderten,sehen wir auch in anderen Städten sich abspielen. So bestand inKarlsruhe im Anfang der 1870er Jahre die „Rheinische Bau-gesellschaft“. Sie gründete eine eigene Grofsziegelei, betrieb denHandel mit Bauplätzen im grofsen und führte Bauten vollständigin eigener Regie aus. Doch war sie nur von kurzem Bestände.Sie liquidierte unter erheblichen Kapitalverlusten (U. III, 79). Diemeisten kapitalistischen Baugrundspekulationsunternehmen nennensich heute schon nur „Terraingesellschaften“ k
Jetzt also wird die überwiegende Mehrzahl aller Spekulations-bauten mit Hilfe eines Zwischenunternehmers ausgeführt.Hinter ihm steht der Geldgeber. Die Geldgeber sind gegenwärtigaufser den Baubanken meist gröfsere Kapitalisten und gewöhnlich— z. B. in Breslau — jüdische. Ihr Hauptgeschäft und Verdienstbesteht im An- und Verkauf unbebauter Grundstücke. Mit demHäuserbau stehen sie, wie gesagt, durch jene Zwischen unternehmenin Verbindung, die sie subventionieren.
Die Zwischenunternehmer sind heute gewöhnlich Maurer undZimmerleute (zuweilen auch Tischler), die früher Gesellen oderPolierer waren und selbst etwas vom Bauen verstehen; dafs, wiees in den 1870er Jahren häufig der Pall war, die Unternehmer Leuteaus allen möglichen Berufen sind, Barbiere, Droschkenkutscheru. dgl., ist heute bereits als Ausnahme zu betrachten. Eins ist aberunverändert geblieben: die meist vollständige Mittellosigkeit dieser„Unternehmer“. Nur ganz vereinzelt findet sich einer, der selbst Ver-mögen besitzt; im allgemeinen leben sie in recht traurigen Ver-hältnissen, unaufhörlich von Gläubigern bedrängt und in steterGefahr vor schweren Gefängnisstrafen bei etwaigen Unfällen infolgeder liederlichen Bauart, die sie doch selbst beim besten Willennicht aufgeben können, wenn sie überhaupt bestehen wollen 1 2 .
1 An der Berliner Börse notieren über 30, zum Teil sehr grofse „Bau-Gesellschaften“, als welche meist nur Terraingesellschaften sind. Vgl. auchSalings Börsenjahrbuch 1901/1902, S. 861 ff. 1592 ff. Soweit es sich umwirklich bauende Grofsunternehmungen handelt, komme ich auf diese Ge-bilde in anderem Zusammenhänge zurück. Vgl. das 25. Kapitel.
2 Ein hartes, aber, so viel ich sehe, zutreffendes Urteil über die eigen-artige Stellung des Kapitals zum modernen Spekulationsbau fällt L. Esch-wege, Privilegiertes Spekulantentum (1899) S. 16: „Dafs sich heute das reelle,solide Kapital von der eigentlichen Bauthätigkeit zurückgezogen hat, liegteben daran, dafs die Verhältnisse in dieser Branche eine immer unsolidere/Form angenommen haben. Eine grofse Anzahl der grofsstädtischen Bauten