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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Sphäre des specialis. Grofsbetriebs. 533

die: dafs das Handwerk die fertigen, fabrikmäfsig hergestelltenSchäfte bezog, sieb aber im Gebiete der sog. Bodenarbeit behauptete.Diese wurde auch in denSchuhfabriken, d. h. denjenigenkapitalistischen Grofsbetrieben, die bereits fertige Schuhwarenproduziei'ten, noch liandwerksmäfsig ausgeführt. Schliefslich aberdrang die maschinelle Technik auch in den wichtigen Produktions-vorgang der Bodenarbeit siegreich vor: in Deutschland in aller-letzter Zeit. Die zwei Verrichtungen, die lange Zeit von derMaschine nicht geleistet wurden, waren das Zwicken der Schuheund das Durchnähen dicken Sohlenleders. Während schon seitgeraumer Zeit es möglich war, selbst die dicksten Leder mitder Maschine zu nähen freilich nicht so haltbar und sauber,wie es gute Handnäher vermochten existieren seit kurzemamerikanische Maschinen, die wahre Wunderwerke der Mechaniksind. Die Maschine näht mit grofser Geschwindigkeit den breitenBand und steppt zu gleicher Zeit mit Pechdraht die Sohlen doppelt an.Der Stich ist gleichmäfsiger als bei jeder Handarbeit und die Nahtwird dadurch, dafs flüssiges Pech sich in die von der Nadel ge-bildeten Stichkanäle festsetzt und der Draht auch sehr fest angezogenwird, auch viel haltbarer. Noch erstaunlicher beinahe sind dieZwickmaschinen. Der mit ihrer Hilfe aufgezwickte Schuh sitztfaltenlos und gleichmäfsig über dem Leisten, äufserlich weit schönerals der mit der Hand aufgezwickte. Dafs die Maschine enormschnell arbeitet, ist ein weiterer Vorzug.

Seit den 1880er Jahren beginnt denn auch, in progressiv wachsen-dem Tempo, die fahrikmäfsige Erzeugung fertiger Schuh-waren in Deutschland an Boden zu gewinnen. Zunächst sind esnur bestimmte, zur Massenfabrikation wiederum besonders geeigneteArtikel, die der grofsindustriellen Fabrikation anheimfallen: Pantoffeln,Kinderschuhe, Strandschuhe. Dann kommt der Damenstiefel an dieBeihe und jetzt ist mit dem Herrenstiefel der Kreis des gesamtenProduktionsgebiets geschlossen.

Eine irgendwie ziffernmäfsige Vorstellung zu gewinnen von demAnteil der fabrikmäfsigen an der gesamten Schuhwarenerzeugung

Gegenstand in allerkürzester Zeit veraltet. Dieses Los teilen z. ß. durchausschon H. A. Schneider, Die moderne Schuhfabrikation, 2. A., 1882; undM. Schöne, Die moderne Entwicklung des Schuhmachergewerbes, 1888;ebenso die Erhebungen über die Lage der Kleingewerbe in Baden (1887).Eine willkommene Ergänzung der U. bildet jetzt die zusammenfassende Arbeitvon Eugen Friedricliowicz, Die Lage des Schuhmacherhandwerks inDeutschland ; in der Zeitschr. f. d. ges. Staatsw. 55 (1899), 120ff. und 241 ff.