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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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587
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Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. 587

Fleischerei. Auch hier ist das Gebiet, das vom gewerblichenKapitalismus erobert ist, zur Zeit noch unbedeutend und wenigstens,was die Rinderschlächterei anbetrifft, wesentlich auf die Grolsstädtebeschränkt; aber auch hier keineswegs ein für alle Zukunft ge-sicherter Besitzstand. Dafs die Fleisch- und Fleischwarenversendungschon heute in wachsendem Umfange betrieben wird, wissen wir.Ihrer weiteren Ausdehnung sind principiell keine Schranken gezogen.Mit ihr parallel wird sich die Wurst- und Fleischwarenfabrikationals specialisierter Grofsbetrieb entwickeln. Was aber schon heutedie Lage des Fleischgewerbes wesentlich von der des Bäckergewerbesunterscheidet, ist zweierlei:

1. trägt die Fleischerei von jeher ein mehr kommerzielles Ge-präge : der Schwerpunkt der Thätigkeit des Fleischers liegt, zumalin der Rinderschlächterei, meist im Vieh- und Fleischhandel. DieseEigenschaft des Gewerbes hat dahin geführt, dafs in den grofsenStädten, wo sich Engros-Schlächterei, Lohnschlächterei, Fleisch-transport und Wurstmacherei als Specialbetriebe entwickelt haben,der Kleinfleischer heute schon überhaupt kein Handwerkermehr, sondern wesentlich nur noch Detaillist ist;

2. hängt es mit diesem vorwiegend kommerziellen Charakterdes Fleischergewerbes zusammen, dafs der Betrieb auch eines kleinenFleischers stets an das Vorhandensein eines gröfseren Kapitals ge-knüpft ist, wie die oben (S. 531) mitgeteilten Zahlen ersichtlichmachen.

II. Bekleidungshandwerke.

Hier, auf dem Gebiete der Bekleidungsgewerbe, ist das Werkder Zerstörung, der Vernichtung alter gewerblicher Verfassungenvielleicht am weitesten fortgeschritten. So sehr uns die allgemeineStatistik noch immer mit Hunderttausenden vonHandwerks-meistern dieser Gewerbe erfreuen mag: kein Kundiger wird sichder Einsicht länger verschliefsen können, dafs in Deutschland (wiöin allen übrigen Kulturländern) die altehrwürdigen Handwerke derSchuhmacher, der Gerber, der Schneider, der Kür schner,der Hutmacher heutzutage als Neuhandwerke bereits aufgehörthaben zu existieren oder doch wenigstens ihrem Untergang mitRiesenschritten entgegeneilen. Es ist Leichengeruch, der uns ent-gegendringt, wo auch immer wir den Versuch machen, nach demSchicksal dieser Handwerke zu forschen: ob in der Grofsstadt, obin der Kleinstadt oder auf dem Lande. Ganz ausnahmsweise Um-stände müssen Zusammentreffen, wo wahre Handwerksexistenzen