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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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589
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Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. 589

Handarbeit in steigendem Mafse der Fabrik mit ihrer ungeheurenLeistungsfähigkeit weichen mufs (U. I, 24. 29).

Jena:Sie alle sc. die Schuhmachermeister betrachten

das Schwinden der handwerksmäfsigen Produktion, soweit sie nichtdurch unregelmäfsige Fufsbildung oder in anderer Weise bedingtoder Flickarbeit ist, nur noch als eine Frage der Zeit (U.IX, 54).

In Eisleben , wo die Schuhmacherei stets das am stärkstenbesetzte Handwerk war, bietet sie jetzt ein trostloses Bild; . . imletzten Jahrzehnt . . ist das Gewerbe unter der vereinten Wuchtmaschineller Konkurrenz und örtlicher Kalamitäten in einem geradezuentsetzlichen Tempo zusammengeschmolzen (U. IX, 306).

Rofswein (Kgr. Sachsen):Der jetzt noch selbständige Teil(der Schuhmacher) wird zum gröfsten Teil aufhören, als Schuh-macher zu existieren (U. VI, 488).

Nakel (Netze):Die Konkurrenz der Fabrikware . . . machtsich seit etwa zehn Jahren bemerkbar und ist heute bereits sehrempfindlich; es dürfte ein gutes Drittel der hier konsumiertenSchuhwaren Maschinenarbeit sein. Zwei Betriebe haben sich zukleinkapitalistischen Unternehmungen ausgewachsen.Von denübrigen 14 Meistern können sich einzelne, die in besseren Zeitenetwas gespart haben, noch mit Hilfe alter Kunden über Wasserhalten. Der Rest . . . (ist Schweigen) (U. IV, 212).

In Deutsch-Lissa (Schlesien ) kann kein einziger der siebenselbständigen Schuhmachereibetriebe von dem Ertrage der Schustereibestehen (U. IX, 498 f.).

Stadt und Kreis Dramburg :Allmählich erscheinen auf demheimischen Markte mehr und mehr die Konkurrenzartikel derGrofsindustrie wodurch einige Dörfer sehr zu ihrem Schadenzu dem Versuch veranlafst worden sind,das im Kreise verloreneTerrain aufserhalb desselben wiederzugewinnen; dadurch istdieProduktion gewachsen, der Verdienst aber geringer geworden(U. I, 80).

Nöttingen-Darmsbach (Baden; 809 Einwohner): Zehn gelernteSchuhmacher sahen sich genötigt, das Geschäft einzustellen.Früher wurde das Handwerk durch die Märkte gedrückt . . .;seit zehn Jahren haben diese Schuhmärkte ihre Bedeutung gänzlichverloren; aber eine schlimmere Konkurrenz ist ihnen durch dieSchuhwarenbazare entstanden, die sich . . . fast in jedem Dorfebefinden . . .Von fünf Schuhmachern in N.-D. haben nur zweidas ganze Jahr hindurch Arbeit; einer arbeitet für einen aus-wärtigen Schuhladen und verdient nur 1,50 Mk. (U. VIII, 67. 68.)