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Bauerndorf Gahlenz (Erzgebirge): Den Schuhmachern er-
wächst Konkurrenz 1. durch die Hausiererei; 2. durch Schuhwaren-läden; 3. durch eine in Eppendorf seit drei Jahren bestehendeSchuhfabrik. Von letzterer bezieht einer der Gahlenzer Schusterseinen eigenen Bedarf und den seiner Familie. Die Fabrik hateine eigene Reparaturwerkstatt eingerichtet, „und heute sind unsereSchuhmacher froh, wenn sie nur überhaupt Arbeit linden, gleich-viel ob neue oder Reparatur. Von dem gesamten im Ort ver-brauchten Schuhwerk wird 2 3 * /s — S * U von auswärts bezogen, besondersdie feineren und leichteren Waren“ (U. V, 51).
Wenn wir nun schliefslich noch konstatieren, dafs die für eingröfseres Gebiet — Bayern 1 und Württemberg 2 — zusammen-fassend angestellten Untersuchungen zu demselben Resultat kommen,wie die oben citierten Berichterstatter, so wird auch der vorsich-tigste Beurteiler sich dahin resümieren müssen: das Schuhmacher-handwerk gehört heute als Neuhandwerk bis auf einzelne Reste inkleinen Städten und auf dem Lande bereits der Vergangenheit an;für den Verlust der Neuarbeit vermögen die Reparaturen nurgeringen Ersatz zu schaffen; aber selbst die Reparaturarbeit istdem Handwerk nicht in alle Zukunft gesichert, wie im zweiten Bandedieses Werkes noch gezeigt werden wird.
Mit der handwerksmäfsigen Schuhmacherei ist ihr wichtigstesHilfsgewerbe 8 , die Gerberei, in die Grube gefahren, mit demUnterschiede vielleicht, dafs der Absterbeprozefs des Handwerksin diesem Gewerbe schon einige Jahrzehnte früher begonnen hatte.Kompletter scheint die handwerksinäfsige Lohgerberei als die Weifs-und Sämischlederei von ihrem Geschick ereilt zu sein. Letzterehält sich noch hie und da an der Wolle fest, die die von ihr ge-gerbten Felle enthalten, und wird erst mit dieser selbst in den Ab-
1 E. Francke, Die Schuhmacherei in Bayern. 1893.
2 Dr. E. Nübling, Das Schustergewerbe in Württemberg (U. III); der-selbe, Das Ledergewerbe in Württemberg (U. VIII). Uber die Lage desSchuhmacberbandwerks in Württemberg schrieb die Handelskammer vonStuttgart schon in ihrem Jahresbericht von 1884: „Für die kleingewerblicheSchuhmacherei wird die Situation von Jahr zu Jahr infolge des fortschreiten-den Überganges des Schuhmachergewerbes vom Hand- zum Maschinenbetriebeimmer ungünstiger.“ Cit. bei Nübling. Und was bedeuten die letzten17 Jahre!
3 Von den beiden übrigen Gewerben, denen die Gerberei das Leder
liefert, ist die Handschuhmacherei als Handwerk längst ausgestorben;
während die Sattlerei heute im wesentlichen nur noch als Reparaturhand-
werk weiter besteht.