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1. durch Unterwerfung verkümmerter „selbständiger“ Hand-werksmeister unter seinen Willen;
2. durch Überführung der lokalen Bautischlerei in den Grofs-oder Mittelbetrieb;
3. durch Eingliederung der Bautischlerei in die kombinierteBauunternehmung;
4. durch Entwicklung der fabrikmäfsigen Herstellung undschrankenlosen Versendung der einzelnen Bauschreinerartikel.
Dazu gesellt sich nun noch ein weiterer, für das Bautischler-handwerk verhängnisvoller Umstand, das ist — wie wir ebenfallsschon wissen (vgl. S. 543) —
5. die Tendenz der ihrer Natur nach in rascher Entwicklungzum Grofsbetrieb begriffenen Zimmereien, die Bauschreiner-arbeiten an sich zu ziehen.
Den durch diese Konkurrenz erwachsenen Verlusten steht nunallerdings auf dem Gewinnkonto die Vermehrung an Arbeiten gegen-über, die die Bauschreinerei als Ganzes durch die zunehmendeBauthätigkeit erfahren hat. Bedenken wir jedoch, dafs diese Zu-nahme der Bauthätigkeit vor allem in den Grofsstädten sich voll-zieht, wo beute schon kaum noch ein selbständiger Bautischler-meister handwerksmäfsiger Observanz sich findet, so werden wirzu dem Urteil gedrängt, dafs die Tage der Bautischlerei als Hand-werk gezählt sind. Denn was in ländlichen Orten und kleinenAckerstädten an Bauschreinerarbeit notwendig wird, ist — selbstwenn es ausschliefslich in handwerksmäfsigen Betrieben ausgeführtwerden sollte — zu unbedeutend *, um einen irgendwie nennens-werten Bruchteil der selbständigen Bautischlerei zu beschäftigen.Und nur für solche extensiv besiedelten Gebiete, in denen auchdie Zimmerei zu keiner Entwicklung zu gelangen vermag, sondernsich in der geschilderten Weise als halbes Lohnhandwerk weiterschleppt, nur in diesen Gebieten ist die Selbständigkeit des Bau-schreiners gesichert. Überall sonst wird, falls von anderer Seiteher seine Aufsaugung nicht schon erfolgt ist, die Zimmerei für seineAbsorbierung sorgen. Ihr Selbsterhaltungstrieb zwingt sie dazu:sie mufs den Ausfall namentlich an Winterarbeit zu ersetzen suchen,der ihr durch Verringerung des Holzbaus und Verlust der Vor-arbeit an den Hölzern erwachsen ist.
In einer ähnlichen Lage, wie die Bautischlerei, befindet sich
1 Vgl. z. B. die Angaben für Mefskireh U. VIII, 50 Nöttingen-Darms-bach VIII, 69.