Druckschrift 
1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
603
Einzelbild herunterladen
 

Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. 603

das Handwerk der Bauschlosserei. Auch für diese kommenzunächst alle die unter 1.4. oben angeführten Formen der kapita-listischen Konkurrenz- oder Abhängigkeitsgefahr in Betracht.Andererseits kommt natürlich auch ihr die durch die Vermehrungder Bauthätigkeit entstandene Erweiterung des Arbeitsgebiets zugute. Dafs dieses Moment die drohende Gefahr des Untergangs fürdas selbständige Handwerk verringert, unterliegt keinem Zweifel.Ob nun die eine oder die andere Strömung, die, die hinauf oderdie, die hinab führt, stärker ist, läfst sich mit Sicherheit nicht be-stimmen, wenn auch die Beobachtungen, die wir anstellen können,dafür sprechen, dafs die zerstörenden Kräfte über die erhaltendenallmählich die Oberhand gewinnen.

Was die Bauschlosserei ungünstiger stellt als die verwandteBautischlerei, ist der Umstand, dafs ihre Artikel in viel gröfseremUmfange als die des Brudergewerbes bereits der Anfertigung inSpecialfabriken anheim gefallen sind: alle Schlösser, Schlüssel,Fenster- und Thürbeschläge etc. werden heute fast vollendet demBauschlosser geliefert; dieser hat höchstens noch einige gering-fügige Veränderungen daran vorzunehmen, seine Thätigkeit ist also (soweit diese Gegenstände in Frage kommen, auf das blofse An-bringen beschränkt. Neu angefertigt werden vom Schlosser so-weit ihm darin der Schmied nicht Konkurrenz macht meistnoch die eiserne Treppe, eiserne Fenster, Oberlichtfenster, Glas-dächer für Gewächshäuser, eiserne Balkonträger, Balkongeländerund andere Gitterarbeiten l . Aufser diesen Arbeiten besorgt ineinigen Städten der Schlosser die Anlage von Gas- und Wasser-leitungen (Berlin, Breslau 2 , Leipzig die Arbeit wird ausschliefs-lich von Handwerksmeistern besorgt: U. II, 121), während dieseanderswo den Klempnern obliegt (Karlsruhe).

Der gröfsten Gefahr, die der Bauschlosserei droht, mufs abernun erst Erwähnung geschehen: das ist nämlich das allerorts be-obachtete Bestreben der Bauunternehmer, die Schlosserarbeiten amBau, soweit sie sich nur auf das Anpassen und Anschlägen fertigbezogener Gegenstände erstrecken, an andere Personen als Schlosser-meister zu übertragen. Es entwickelt sich eine selbständige Kate-gorie sog. Anschläger. Als solche funktionieren besonders häufigdie Tischler: so in Breslau (U. IV, 88), in Berlin (IV, 291), Nürn-

1 Vgl. für Karlsruhe U. IH, 154; Breslau IV, 89.

2 Die Bausehlossereien verzeichnen hier häufig als ihreSpecialitätenElektrische Anlagen, Gasglühlicht-Anlagen etc.