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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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609
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Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. (509

Kleinbetriebe bezeichnet, gehört nur, soweit es sich um Repara-turen handelt, der handwerksmäfsigen Sphäre an; denn dem Grofs-hetrieb in Zeiten starken Geschäftsgangs auszuhelfen und für Hand-lungen oder Dekorateure zu arbeiten, ist gewifs doch nicht Hand-werkssache (U. HI, 362). Er schliefst denn auch ganz richtig mitden Worten:Die Hoffnung, dafs das Kleingewerbe in der MainzerMöbelindustrie erhalten werden könne, mufs man zu so vielenanderen begrabenen Hoffnungen legen (363).

In Karlsruhe haben die Handwerker unterste und obersteKlassen bereits als Kunden verloren, nur der besser situierte Mittel-stand bleibt ihnen treu. Jetzt dehnen sich die Möbelhandlungenimmer mehr aus,während das Handwerk sich einschränkt(U. IH, 113/19).

Auch in Freiburg i. B. istunser Handwerk im Niedergangbegriffen (U. VIII, 269). Der kleine Möbeltischlermeister arbeitettannene und bessere Möbel; jedochdie Ware des Meisters gelangtnur zum kleineren Teil direkt an den Konsumenten. Den übrigenBedarf an Schrein er waren deckt der Händler (246). Zunehmend.

In Posen machen die Handwerker, die für Kunden auf Be-stellung fertige Möbel arbeiten, höchstens 5 °/o aller Betriebe aus;sie kommen eigentlich nur als Reparaturwerkstätten vor (U. I, 86).

In Eisleben hat das Handwerkaufser den Bauarbeiten auchdie Möbelfabrikation zum gröfsten Teil verloren. Die meisten four-nierten Möbel werden aus Berlin bezogen, und zwar ebenso dieguten wie die geringen Qualitäten; Stühle und Sofagestelle kommenausschliefslich von auswärtigen Fabriken, und die örtliche Produk-tion beschränkt sich in der Hauptsache auf die gewöhnlichenkienenen, nicht fournierten (weifsen) Möbel und die Särge (U. IX,317/18).

In Jena soll sich allerdings die Möbeltischlerei inblühendemZustande befinden (Bearbeiter Herr Professor Pierstorff). Dashindert jedoch nicht, dafs

1. ihr die Anfertigung aller geringeren Waren von Fabrikenunddörflichen Industrien genommen ist (U. IX, 57);

2. die Möbelmagazine, in denen namentlich Berliner Möbel feil-geboten werden,zweifellos dem Absatz der hiesigen Tischlereienerheblichen Abbruch thun (S. 58).

Die Konitzer Möbeltischler leben alle in mehr oder minder drückender Abhängigkeit von den Möbelmagazinen, deren sich vieram Orte befinden.Ein kleiner Teil von ihnen befafst sich nebender nur auf besondere Bestellung erfolgenden Lieferung für die

Sombart, Der moderne Kapitalismus. I. 39