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Welchen Einflufs hat auf die Lage der Handwerker dieVerengerung des Produktionsgebietes des Handwerks — dennnur um eine solche handelt es sich in praxi — bisher aus-geübt oder noch auszuüben die Tendenz?
Da sind denn zunächst zwei Möglichkeiten von vornherein zuunterscheiden: entweder nämlich dafs sich die Zahl der Betriebe(bezw. der Berufsangehörigen) der verringerten Kundschaft — dennso drückt sich die Einengung des Produktionsgebiets für die ein-zelnen aus — anpafst, oder aber, dafs dies nicht der Fall ist.Danach gliedern sich die folgenden Untersuchungen.
1. Pafst sich die Zahl der Handwerker der ver-ringerten Arbeitsgelegenheit an? Das heifst also: ver-mindert sie sich im richtigen Verhältnis? nötigenfalls bis zu einemvölligen Aussterben des Handwerkerstandes in einzelnen Zweigen?
Leider ist unsere allgemeine Berufs- und Gewerbestatistik auchfür diesen Nachweis schlecht zu verwenden, weil sie ja die eigent-lichen Handwerksangehörigen innerhalb der Berufsangehörigen nichtausdrücklich unterscheidet. Es müssen deshalb Rückschlüsse vonder Betriebsgröfse auf die Handwerksmäfsigkeit der Organisationgemacht werden, was, wie wir wissen, stets ein sehr gewagtes Be-ginnen ist. Wir müssen uns daher mit weniger umfassenden, aberzuverlässigen Erhebungen begnügen, um Antwort auf unsere Fragezu finden.
Solcher Erhebungen besitzen wir mehrere private für einzelneStädte, und dann vor allem die amtliche „Verhältnis“erhebung vomJahre 1895 für das bekannte Zwanzigstel Deutschlands. Aus derletzteren Veröffentlichung mögen folgende Ziffern hier Platz finden 1 :Im ganzen Erhebungsgebiet entfallen auf je 1000 Einwohner imDurchschnitt:
26,7 Meister,
30,2 Hilfspersonen,
56,9 Handwerker überhaupt.
Das bedeutet, wenn wir damit die preufsischen Handwerkerziffernvergleichen dürfen, die Schm oller berechnet hat 2 3 , gegen das Jahr1861 eine ganz kleine Verminderung um kaum 5°/o, denn im Jahre1861 kamen auf je 1000 Einwohner im Durchschnitt:
1 Vgl. dazu P. Voigt, Die Hauptergebnisse der neuesten deutschen
Handwerkerstatistik von 1895 in Schmollers Jahrbuch N. F. Bd. XXI, auchseparat erschienen. 1897.
3 Kleingewerbe, 71.