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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Erstes Kapitel. Die treibenden Kräfte.

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Unterströmungen bedarf, damit ideelle Motive durch das Mediumder Wirtschaftspolitik wirksam werden können. Nun wissen wir,welches diese Unterströmungen im Entwicklungsgänge des mo-dernen Wirtschaftslebens sind: die kapitalistischen Interessen. Wennuns die Geschichte also lehrt (was in den folgenden Kapiteln nochempirisch zu beweisen ist), dafs (in grofsen Zügen) die moderneWirtschaftspolitik in keinem einzigen Punkte Neuerungen gebracht

P hat, die sich nicht aus den Bedürfnissen des Kapitalismus ableiteu

liefsen, wenn wir dann uns jener anderen Einsicht erinnern, dafsohne oder gegen jene Interessen niemals grundsätzlich umgestaltendeMafsnahmen der Wirtschaftspolitik Erfolg gehabt haben, wenn wirendlich auch noch die zeitliche Priorität der kapitalistischen Inter-essen in Betracht ziehen, so wird es statthaft erscheinen, dafs wirin der Geltendmachung dieser kapitalistischen Interessen, was abergleichbedeutend ist mit dem Verwertungsstreben des Ka-pitals, primär wirkende Ursachen, letzte treibendeKräfte der modernen wirtschaftlichen Entwicklungeikennen.

Das ist der Grundgedanke, von dem dieses Buch beherrschtwird und dessen Richtigkeit nun sein Inhalt erst erweisen soll 1 .

¥ Ehe wir jedoch an die Arbeit dieser Beweisführung selber heran-

gehen, wird es nicht unzweckmäfsig sein, uns über die Natur jenertreibenden Kräfte der modernen wirtschaftlichen Entwicklung, alsoüber das Wesen jenes Verwertungsstrebens des Kapitals etwas ge-nauer zu unterrichten. Der Satz, dafs das Kapital stirbt, wenn essich nicht verwertet, d. h. durch geschickte Vertragsabschlüsse sichsamt einem Probt reproduziert, ist heute bereits eine Trivialität.Es wird also nur darum sich handeln können, nachzuprüfen: obdenn dieses Verwertungsstreben nicht verschiedene Formen oderverschiedene Stärkegrade annehmen kann; und ob insonderheit siehin seiner Wirkung auf die hier primo loco in Frage stehende Ver-drängung oder Schädigung des Plandwerks nicht Nüancierungenetwelcher Art nachweisen lassen.

1 Es ist daher auch unnütz, dafs ich mich liier länger damit auf halte,die Dichtigkeit meines Ausgangspunkts zu erweisen. Ich habe den Versucheiner einheitlichen Erklärung der modernen Wirtschaft aus den angeführtenUrsachenreihen unternommen. Versuche ein anderer dasselbe mit einemanderen Erklärungsprincip. Dann erst läfst sich darüber streiten, ob ichrecht daran that, den Ausgangspunkt für meine Untersuchung so zu wählen,wie es geschehen ist. Man wolle die schlichte Wahrheit des GoetheschenWortes beherzigen, das dieser Einleitung vorangestellt ist.