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Erstes Buch. Die Neubegründung des Wirtschaftslebens.
zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, als jenes Ereignis, an das ichdenke, eintrat, die zweite, seitdem bis in die letzten Tage desMenschengeschlechtes auf Erden, während allen übrigen Verände-rungen der Technik nur eine quantitative, keine principielle Be-deutung zuzumessen ist. Was ich meine, ist die Anwendungder Wissenschaft auf die Technik, also der Ersatz des Kunst-verfahrens durch das rationelle oder wissenschaftliche Verfahren.
Ist es zunächst berechtigt, dieses Ereignis in die zweite Hälftedes vorigen Jahrhunderts zu verlegen? haben nicht frühere Zeitenschon das wissenschaftliche Verfahren gekannt? Zweifellos habendie Völker des Altertums, namentlich die Orientalen, in einerReihe von Werken uns Denkmale einer hochentwickelten Technikhinterlassen, die ein aufserordentlich reiches Können zur Voraus-setzung haben. Aber alles, was wir von der Art ihres Schaffenswissen, läfst doch darauf schliefsen, dafs sie nirgends aus derPeriode der Empirie herausgekommen sind einfach deshalb, weilihnen die notwendige Basis einer nicht mehr empirischen,sondern rationellen Technik fehlte: die naturwissenschaftliche
Erkenntnis. Diese mufste erst eine gewisse Reife erlangt haben,ehe die Technik durch sie revolutioniert werden konnte. Dasaber war der Fall nicht früher als eben im Ausgange des vor-letzten Jahrhunderts, als die ersten Früchte der Geistesarbeit jenerHeroen des 17. Jahrhunderts geerntet wurden, die uns das Funda-ment der modernen Weltanschauung zusammengezimmert haben.Von den hochentwickelten italienischen Städten mit kapitalistischerWirtschaft, wo in Galileis Schule die Grundlagen für die be-obachtenden Naturwissenschaften gelegt wurden, gehen die Strahlendes Lichtes aus, das die Denker des 18. Jahrhunderts zu ihren fürdie Technik erst bedeutsamen Entwicklungen führt. Ich erinnerean die Schöpfer der modernen Mechanik: Lagrange und Laplace, Poisson, Gaufs, die Begründer der Hydrostatik und Dynamik; icherinnere an die Schöpfer der modernen Physik: (neben Lavoisierund Laplace wiederum) Galvani (1789), Volta (1792); an dieSchöpfer der modernen Chemie: Black, Priestly, Cavendish, Kirwan,Bergmann, Wenzel und vor allem Lavoisier (f 1794): sie alle ge-hören fast einer und derselben oder wenigen aufeinanderfolgendenGenerationen an, und alle ihre grundlegenden Entdeckungenfallen in die drei letzten Jahrzehnte des vorletzten Jahrhunderts.Da nun aber auf ihren Entdeckungen erst die moderne In-dustrie ihre rationellen Verfassungsweisen aufbaut, so scheint esin der That nicht unberechtigt, wie es hier geschieht, erst von jener