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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
Seite
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(3G Erstes Buch. Die Neubegründung des Wirtschaftslebens.

in seinem Verlauf: die Basis für das gesamte technischeKönnen wird in einer ungeahnten Weise durch die Anwendungder Wissenschaft verbreitert. Und das geht so zu: Dieweil dieTechnologie den Produktionsprozefs gleichsam losgelöst von demausführenden Organe, dem Menschen, betrachtet, vermag sie ihnderart in seine Elemente aufzulösen, dafs nicht die Rücksicht aufdie schaffende Hand, sondern lediglich auf eine zweckmäfsigeKausalfolge der einzelnen Vorgänge dabei den Ausschlag giebt.Das arbeitszerlegende Verfahren wird damit erst methodisch an-wendbar. Und die Wissenschaft sorgt dann weiter dafür, indem siekunstvolle machinale Vorrichtungen ersinnt, dafs die betreffendeTeilverrichtung im Produktionsprozefs, die sich bei der rationalenAuflösung ergeben hat, nun auch exakt ausführbar wird, trotzdemsie gar nicht mehr der natürlichen Bethätigung der menschlichenOrgane entspricht. An die Stelle der durch die lebendige Persön-lichkeit notwendig gebundenen organischen Gliederung der Pro-duktionsprozesse tritt die nur im Hinblick auf den gewollten Er-folg zweckmäfsig mechanisch eingerichtete Gliedbildung. Jetztbegreifen wir auch erst, warum die Entwicklung der Maschineriein unserem Jahrhundert eine so rapide sein konnte. Sie ist einereigentümlichen und richtigen Wendung in der Auffassung desMaschinenerfinders zuzuschreiben, welche darin besteht, dafs nichtmehr die Maschine die Handarbeit oder gar die Natur nachzu-ahmen sucht, sondern bestrebt ist, die Aufgabe mit ihren eigenen,von den natürlichen oft völlig verschiedenen Mitteln zu lösen(Reuleaux) 1 . Was der kluge Ure so ausdrückte 2 * : Das Princip dermodernen Fabrik bestehe schlechthin darin:to substitute niechanicalScience for hand skill and the partition of a process into its essentialconstituents, for the division or graduation of labour among artisans.Ist aber einmal erst die Schranke des Gebundenseins an dieNaturbeschaffenheit der menschlichen Organe gefallen, so eröffnensich dem technischen Können unermefsliche Weiten. Und darin

1 Ein schlagendes Beispiel hierfür ist die Erfindung der Nähmaschine,die bekanntlich auf einem der Handnäherei völlig fremden Princip desNähens aufgebaut ist. Vgl. neuerdings R. Esch er, Erfinden und Erfinderin derZeitschrift für Socialwissenschaft II. Jahrgang (1899) S. 160 ff. undReuleaux im zweiten Bande seiner Theoretischen Kinematik (1900), 662 f.

2 Andrew Ure , The Philosopliy of Manufactures; 3. ed. 1861. p. 20.Danach Marx, Kapital I 4 , 451, es sei das Princip der grofsen Industrie,jeden

Produktionsprozefs an und für sich zunächst ohne alle Rücksicht auf die

menschliche Hand, in seine konstituierenden Elemente aufzulösen.