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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Viertes Kapitel.

Der neue Stil des Wirtschaftslebens.

Früher war man dreihundert Jahre lang einSchlofsherr oder ein Leineweher; jetzt kann jederLeineweher eines Tages Schlofsherr sein.

(Theodor Fontane .)

Wir werden uns die Eigenart des Verlaufs moderner Wirt-schaft, die ich hier nur in ihren Grundzügen darzustellen unter-nehme 1 , am besten klar machen, wenn wir unser Augenmerk aufdie aller kapitalistischen Wirtschaft offenbar innewohnende Tendenzzur Entfaltung von Widersprüchen, von Konflikten lenken. Wider-sprüche meine ich, in diesem Sinne Antinomien, NB. methodischganz harmloser Natur, ohne allendialektischen Tiefsinn ge-dacht zwischen der Zwecksetzung der kapitalistischen Wirtschafts-subjekte und den Erfolgen ihrer auf die Erfüllung jener Zweckegerichteten Thätigkeit. Diese Erfolge nämlich stellen in ent-scheidenden Fällen das Gegenteil dessen dar, was man erreichenwollte: vom Standpunkte kapitalistischer Wertung aus betrachtetwirkt also hier die Kraft, die stets das Gute will und stets dasBöse schafft.

Das gilt gleich von der elementarsten Thatsache kapitalistischerWirtschaftsführung. Wir wissen, dafs diese auf Erzielung möglichsthohen Gewinns durch möglichst niedrigen Einkauf und möglichstvorteilhaften Verkauf von Werten gerichtet ist. Nun bringt es aberalsobald die Konkurrenz mit sich, dafs eine Gegentendenz sich

1 Es handelt sich hier nur darum, diese Tendenzen kapitalistischer Wirt-schaft soweit zu charakterisieren, als sie für die Lösung des in diesem Bandegestellten Problems unerläfslich sind. Ihre gründliche Erörterung mufs denspäteren Bänden dieses Werkes Vorbehalten werden.