90
Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
wurde von städtischen Konsumenten beansprucht. Nach einer Be-rechnung Schubarts 1 betrug (1844) der Konsum (in Scheffeln)
an:
der Städter
Landbewohner
Weizen . .
4 263413
5 604 176
Roggen . .
12 790 239
39 229 232
Die eigentliche Hochblüte der deutschen Landwirtschaft be-ginnt daher auch erst mit der Ausdehnung des gewerblichenKapitalismus in Deutschland, also wesentlich seit Mitte des vorigenJahrhunderts, wie sich deutlich an der Preisgestaltung erkennenläfst 2 .
Das dritte Viertel des vorigen Jahrhunderts ist eine Zeit fröh-lich ansteigender Preise aller agrarischen Erzeugnisse.
Getreide, Vieh, nebst den Erzeugnissen der Viehwirtschaft,Holz, Wolle, Flachs, Raps 3 wetteiferten mit einander, dem Land-wirt die besten Erträge zu liefern. Zucker und Spiritus thatendas ihre, um die Kassen des Herrn zu füllen. Ich teile einigeZiffern mit, die das Gesagte bestätigen sollen. Es kostete 4 inPreufsen alten Bestandes die Tonne (a 1000 kg) Mk. im Durch-schnitt der
Jahre
Weizen
Roggen
Gerste
Hafer
Erbsen
1821—30
121,4
126,8
76,6
79,8
97,0
1831—40
138,4
100,6
87,6
91,6
107,4
1841—50
167,8
123,0
111,2
100,6
130,0
1851-60
211,4
165,4
150,2
144,0
176,0
1861—70
204,6
154,6
146,0
140,2
168,2
1871-75
235,2
179,2
170,8
163,2
224,4
1 Schubart, Handbuch der allgemeinen Staatskunde des preufsischenStaats. 1846/48. Vgl. auch noch von Lengerke, Zur Statistik des deutschen
Getreidebaus in der Deutschen Vierteljahrsschrift 1852.
3 Vgl. den Exkurs auf S. 87.
3 Er lieferte das für die industriellen Etablissements unentbehrliche Be-leuchtungsmaterial vor Einführung des Gases oder Petroleums. Mit demRaps, pflegte der Landwirt auf gutem Boden in den 1850 er und 1860 er Jahrenzu renommieren, müssen die Hypothekenzinsen oder der Pachtschilling vollbezahlt werden können!
4 J. Conrad, Getreidepreise, im H.St. Vgl. jetzt auch die zahlreichenPreiszusammenstellungen Conrads in den Schriften des Ver. f. Soc.PoI.Bd. 90 (1900). S. 123 ff.