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Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
Im Königreich Bayern 1 sind die entsprechenden Ziffern fürFlachs und Hanf zusammen:
1863
44765
ha
1878
21718
11
1883
15 543
11
1893
12 876
11
II. Die Neugestaltung der ländlichen Arbeits-verfassung.
Die zweite wichtige Folgeerscheinung des Übergangs zurrationellen Landwirtschaft, von der wir hier Kenntnis nehmenwollten, ist die Neugestaltung der ländlichen Arbeits-verfassung, genauer gesprochen, die Veränderung, welche dieBedingungen der Arbeit auf dem Lande in rechtlicher wie that-sächlicher Beziehung erleiden.
Hier ist in erster Linie zu erwähnen die Auflösung deralten patriarchalischen Gutswirtschaft mit Quotal-, bezw.Naturallöhnung der Arbeiter, wie sie vor allem in den preufsischenProvinzen östlich der Elbe bis in die Mitte des 19. Jahrhundertsfast ausschliefslich geherrscht hatte.
Diese ältere Gutswirtschaft, die wir uns noch in weitem Um-fange als autonome Produktions- und Konsumtionsgenieinschaft mitÜberschufsproduktion vorzustellen haben 2 , hatte auf wesentlichzwei Kategorien von Arbeitskräften sich aufgebaut:
1. dem Gesinde 3 , den Arbeitern in Haus und Hof, denennamentlich auch die Besorgung und Wartung des Viehs obliegen.Von diesen Gesindeleuten waren die Ledigen in die Wohn- undEfsgemeinschaft des Gutes selbst eingegliedert, die Verheiratetensahen den Rauch des eigenen Herdes, blieben aber insofern mitder Gutswirtschaft vereinigt, als sie feste Beträge in Naturalienals wesentlichen Bestandteil der Löhnung, vor allem auch dieWohnung in natura von der Herrschaft empfingen.
2. den „kontraktlich gebundenen Arbeitern“, denendie Feld-, d. h. die Bestell- und Erntearbeiten, nebst den Ver-richtungen auf der Tenne zufielen. Unter diesen kontraktlich ge-
1 Statist. Jahrb. für das Kgr. Bayern . Erster Jahrgang 1894. S. 30.
- A german farm usually supports itself, care being taken to want aspossible that is not supplied by tlie ground bemerkt selbst für den WestenDeutschlands noch Banfield 1, 20.
3 Zu vergleichen sind vor allem Knapp, Bauernbefreiung, und MaxW eber, Entwicklungstendenzen.