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jedenfalls eine Verschlechterung der Existenzbedingungen auf demLande (und in kleinen Städten).
Leider können wir aus der Statistik nicht das langsame Ab-sterben der meisten ländlichen Hausindustrien seit Mitte des 19. Jahr-hunderts verfolgen, weil die vergleichbaren Ziffern fehlen. Wirmüssen uns vielmehr begnügen mit der Gegenüberstellung derZiffern der Gewerbezählung für 1882 und 1895, die allerdings schonlehrreich genug ist. Danach ergiebt sich folgendes Bild:
Es haben in dem Zeitraum von 1882—1895 eine Verminderungerfahren die hausindustriellen
Gewerbearten
Betriebe
um
Personen
um
Zeugschmiede, Scherenschleifer, Feilenhauer
2 006
4 044
Seiden- und Slioddyspinnerei.
2 037
2 922
Baumwollspinnerei.
4 067
3 645
Seiden.
20000
34 381
Leinenweberei.
10 660
14 667
Baumwollweberei.
18 859
19 089
Weberei von gemischten Waren ....
5 811
4 895
Strickerei und Wirkerei.
7 026
12 768
Häkelei und Stickerei.
1251
549
Strohhut-F. und Flechterei von Stroh . .
4185
2 836
All diese Hausindustrien tragen wesentlich ländlichen Charakterund werden vielfach in Verbindung mit Landwirtschaft ausgeübt.Dagegen weisen eine Zunahme fast nur solche Hausindustrien auf,die in den Städten zu Hause sind, vielleicht mit Ausnahme derVerfertigung grober Holzwaren, bei der die Personen um 634, dieBetriebe um 530 zugenommen haben, während die Vermehrung derhausindustriellen Personen und Betriebe in der Wollweberei (bezw.4072 und 645) auf eine Verschiebung der Produktionsrichtunginnerhalb der Textilhausindustrie zurückzuführen ist 1 . Dafs neuer-dings die Konfektionsindustrie auf dem Lande betrieben wird, isteine Erscheinung, die einer ganz andern Entwicklungsreihe an-gehört als der Kreis von Phänomenen , um deren Feststellung unseinstweilen hier zu thun ist und der die Zertrümmerung der altenExistenzbasis der ländlichen - Bevölkerung in früh- und vor-kapitalistischer Zeit betrifft.
Die ehemals decentralisierte, weil holz- und wassernützende„Gr o fs in dus tri e“ ist aber, wie jedermann weifs, in dem Mafse, wie
1 Vgl. im übrigen den Art. „Hausindustrie“ in der 2. Aufl. der H.St., woich ausführlicher dieselben Ziffern besprochen habe.