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industriellen Thätigkeit. Hausgewerbliclie Eigenproduktion brauchtkeineswegs zu cessieren, wenn sie auch noch so sehr hinter der gesell-schaftlichen Durchschnittsproduktivität zurückbleibt. Kann michdoch kein „Marktgesetz“ hindern, mir meine Bücher selbst einzu-zubinden, oder meinen Gartenzaun selbst anzustreichen, auch wennich einen zehnmal so grofsen Aufwand als den „gesellschaftlich not-wendigen“ mache.
In welchen andern Kausalzusammenhang mufs also der Rück-gang des bäuerlichen Hausgewerbes eingeordnet werden? Mirscheint, dafs wir einen Teil der Gründe dort suchen dürfen, wowir sie für ähnliche Erscheinungen bei der Gutswirtschaft fanden:im Übergang zu rationeller und intensiver Landwirtschaft. Dafssie ein Steigen der Güterpreise, mithin bei Besitzwechsel den Zwangzu höherer Rentenerzielung hatte, wissen wir Dieser Druck, dieGelderträge der Wirtschaft zu steigern, wurde bei den Bauernwirt-schaften insonderheit noch durch die zum Teil empfindlich hohenAblösungsrenten, die doch auch nur ein Ergebnis des in die Land-wirtschaft eindringenden ökonomischen Rationalismus waren, be-trächtlich gesteigert 1 . Es mufste also auch in vielen Bauernwirt-schaften das Bestreben wach werden, die Nutzung des Bodens unddie Gestaltung des Gesamtbetriebes im Hinblick auf möglichst hoheReinertragserzielung so rationell wie möglich einzurichten. DiesesStreben, in Verbindung mit der fortschreitenden Gemeinheitsteilung,Servitutenablösung und Grundstückszusammenlegung führte wohlvielerorts dahin, Produktionszweige fallen zu lassen, auf denen diegewerbliche Thätigkeit sich aufgebaut hatte. Ich denke beispiels-weise an die Einschränkung der Schafzucht bei Fortfall der Ge-meindeweide, des Flachsbaus wiederum, der Hölzernutzung beiAufteilung des Gemeindewaldes und dergl. mehr.
Aber ich möchte das Gewicht der aus einer rationellen Be-triebsgestaltung folgenden Gründe bei der eigentlichen Bauern-wirtschaft, deren Wesen ja gerade in einem zähen Festhalten ander überkommenen handwerksmäßigen Produktionsweise und einemdem entsprechenden Widerwillen gegen alle kapitalistische Ratio-nalistik besteht, nicht allzu hoch anschlagen, so sehr es in ein-zelnen Gebieten, z. B. in allen Rübengegenden — Bördebauern! —von ausschlaggebender Bedeutung gewesen ist, möchte vielmehr derMeinung sein, dafs die altbäuerliche Familien-Wirtschaft in denmeisten Fällen ihren Todesstofs mehr von aufsen her erhalten hat.
1 Darüber vgl. auch noch Knapp, Bauernbefreiung, 245 (für Schlesien).