Neuntes Kapitel. Aufgaben einer Städtetheorie.
103
of the country only . . that constitutes the subsistence of the town,which can therefore increase only witli the increase of this surplusproduce “ 1 .
Bei einigem guten Willen lassen sich aus diesem Satze eineganze Reihe von „Gesetzen“ entwickeln, etwa in folgender Weise:
1. Die Gröfse einer Stadt wird bedingt durch die Gröfse desProdukts ihres Unterhaltsgebiets und die Höhe ihres Anteils daran,den wir Mehrprodukt nennen können;
2. Bei gegebener Gröfse des Unterhaltsgebiets und (durchFruchtbarkeitsgrad der Gegend oder Stand der landwirtschaftlichenTechnik) gegebener Gröfse des Gesamtprodukts hängt ihre Gröfsevon der Höhe des Mehrprodukts ab.
Daher z. B. cet. par. in despotischen Staaten mit einem hohenAusbeutungskoefficienten des Landvolks gröfsere Städte als in Ländernmit demokratischer Verfassung.
3. Bei gegebener Gröfse des Unterhaltsgebiets und gegebenerHöhe des Mehrprodukts ist die Gröfse der Stadt bedingt durch dieFruchtbarkeit des Bodens oder den Stand der landwirtschaftlichenTechnik.
Daher fruchtbare Länder cet. par. gröfsere Städte haben könnenals unfruchtbare 2 .
4. Bei gegebener Höhe des Mehrprodukts und gegebener Er-giebigkeit des Bodens ist die Gröfse der Stadt bedingt durch dieWeite ihres Unterhaltsgebiets.
Daher z. B. die Möglichkeit gröfserer Handelsstädte; die Möglich-keit gröfserer Hauptstädte in gröfseren Reichen.
5. Die Weite des Unterhaltsgebiets ist bedingt durch den Ent-wicklungsgrad der Verkehrstechnik.
Daher cet. par. Flufs- oder Seelage auf die Ausdehnungs-fähigkeit der Städte günstig wirkt 3 und in einem Lande mit
1 Ad. Smitb, Book III, Ch. I. Sehr ausführlich, wenn auch nicht immersehr glücklich, ist von den Älteren das Thema behandelt in der Abhandlungdes Grafen d’Arco, Dell’ armonia politico-economica tra la cittü e il suoterritorio (1771) Custodi, P. M. Tomo 30.
2 J. Botero, Delle cause della grandezza delle cittä (1589), Libro I.cap. IX.
3 „On construit ordinairement les grandes villes sur le bord de la Mer oudes grandes Riviferes, pour la commoditö des transports; parce que le trans-port par eau des denrees et marchandises necessaires pour la subsistance etcommodite des habitants, est ä bien meilleur marchd, que les voitures ettransport par terre“ (Cantilion) Essai sur la nature du commerce. 1755.p. 22. 23.
13