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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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194
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194 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.

Chausseen wiederum cet. par. die Städte gröfser sein könnenals dort, wo nur Feldwege sind, in einem Lande mit Eisenbahnengröfser als wo nur Chausseen sind.

Aber die Erkenntnis, die in diesenGesetzen zu Tage ge-fördert wird, ist doch nur dürftig. Es sindVariationen über einThema, das Thema, das in den Smithschen Worten ausgesprochenwar: die Stadt lebt vom Überschufs des Landes. Das ist an sichgewifs eine sehr wichtige ökonomische Einsicht; aber sie ist dochnur der Anfang der Erkenntnis. Was wir vor allem bei der Auf-zählung solcherGesetze nach Art der obigen (deren Zahl sichübrigens sehr wohl noch vermehren läfst) vermissen, ist der Hin-weis auf irgend welche Notwendigkeit einer Städtegründung. DieGröfse der Stadt istbedingt; sehr schön. Aber wem fällt esnunmehr ein, diese Stadt zu gründen? Das heifst, wir suchen ver-geblich nach einer Motivation. Wollen wir aber diese unter ökonomi-schem Gesichtspunkte betrachten, so wissen wir, was uns zu thunobliegt: wir dürfen nicht nach den überall gleichmäfsig wieder-

kehrenden ökonomischen Bedingungen suchen, sondern nach derjeweiligen historischen Bedingtheit des Wirtschaftslebens. Es ergiebtsich demnach als die eigentliche Aufgabe einer ökonomischen Theorieder Städtebildung der Nachweis des notwendigen Zusammen-hangs des Städtephänomens mit dem herrschendenWirtschaftssysteme. Nur wenn wir die Frage so stellen, ver-meiden wir auf der einen Seite die Gefahr, uns in das Gewirr derZuvielseitigkeit zu verlieren, auf der anderen Seite die Gefahr, derBlutarmut einer ökonomischen Naturlehre zu verfallen.

Da wir nun aber in diesem Zusammenhänge nur die derkapitalistischen Entwicklung eigenen Erscheinungen zu untersuchenhaben, so läfst sich nunmehr unser Problem ganz präcis formulieren:als die Frage nach dem Wesen der Stadt im System desKapitalismus oder wie wir der Kürze halber im folgenden immersagen wollen: nach dem Wesen der kapitalistischen Stadt.

Dieses Problem enthält im einzelnen folgende Aufgaben, die ichgleich im vornherein schematisch zusammenstellen will, um dieDarstellung selbst freier und im wesentlichen genetisch gestalten zukönnen. Es sind folgende Möglichkeiten ins Auge zu fassen:

1. Der Kapitalismus wirkt städtebildend als treibendeKraft, wenn er selbst die Motive zur Ansiedlung an einem be-stimmten Ort liefert;

a) direkt, wo das Interesse des kapitalistischen Unternehmersselbst Platz bestimmend wirkt; sei es, dafs die Stadt schon da ist