1. Dafs die Mutter der modernen Stadt die Handelsstadtsei, wird nicht bezweifelt werden können. Der Kaufmann ist es,der im Laufe langer Jahrhunderte mit Hilfe seines Handelsprofitslangsam den Unterhaltsspielraum der Stadt über den engen Bezirkihrer Landschaft ausdehnt. Die so allmählich um den alten Kern derHandwerkerstadt sich bildende Handelsstadt hat ökonomisch dasEigenartige, dafs sie ihren Unterhalt in kleinen Beträgen aus einemsehr weiten Kreise bezieht L Und diese Eigenart ihrer Existenzsteckt der Ausdehnung der reinen Handelsstadt enge Grenzen.Ganz grofse reine Handelsstädte hat es niemals gegeben und kannes nicht geben, denn entweder ist die Transporttechnik noch sowenig entwickelt, dafs die Extensität des Handels nur eine geringesein kann 1 2 , oder aber bei entwickelterer Transporttechnik ist dieHandelsprofitrate verhältnismäfsig so niedrig, dafs schon ungeheureWarenmengen umgesetzt werden müssen, um ein beträchtlichesWertquantum in den Händen der Kaufleute als Gewinn und damitUnterhaltsstoff für die städtische Bevölkerung zurückzulassen. DerLaie — und die meisten „Theoretiker“, die über Städtebildung ge-schrieben haben, sind nationalökonomisch Laien — pflegt sich nichtklar zu machen, dafs von dem Warenstrom, der durch eine Stadthindurchgeht, noch kein Sperling in dieser Stadt leben kann, es •sei denn, er pickte sich aus den Getreide- oder Erbsensäcken seinFutter heraus. Worauf es allein ankommt, ist ja wohl doch der Wert-
Druckschrift
2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten