202 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
Kaufmann gesellt, gruppiert sich dann zunächst ein Haufen vonSchmarotzern, Klienten, Künstlern, Advokaten u. dgl., dann aber vorallem die entsprechende Anzahl Gewerbetreibender, namentlich derHerstellung von Luxusartikeln obliegender Produzenten.
Die Belege, die die Richtigkeit dieser Rekonstruktion derfrühkapitalistischen (Grofs-) Stadt erweisen, stehen in so über-reichem Mafse zu unserer Verfügung, dafs wir uns mit der An-führung der wichtigsten begnügen müssen.
Zunächst gestatten die zahllosen „Städtetheorien“ des 18. Jahr-hunderts Rückschlüsse auf die Natur der Städte jener Zeit. Dennwenn die meisten Autoren auch wähnten, „die“ Stadt oder „die“Grofsstadt scheclithin in ihren Entstehungs- und Daseinsbedingungenzu schildern, so sind ihre Lehren doch nichts anderes als Verallge-meinerungen der von ihnen beobachteten thatsächlichen Gestaltungenin ihrer Umgebung. So viel ich sehe, ist in der theoretischen Kon-struktion der Stadt wie auf so vielen anderen Gebieten der national-ökonomischen Wissenschaft im 18. Jahrhundert Cantilion weg-weisend. Er läfst die Stadt wie folgt entstehen 1 : „Si un Princeou Seigneur . . . fixe sa demeure dans quelque lieu agrdable et siplusieurs autres Seigneurs y viennent faire leur residence pour etrea portee de se voir souvent et jouir d’une societe agrdable, ce lieudeviendrauneVille, ony bätira de grandes Maisons pour lademeure des Seigneurs en question; on y en bätira une infinited’autres pour les Marchands, les Artisans, et Gens de toutes sortesde professions que la rdsidence de ces Seigneurs attirera dans celieu. II faudra pour le Service de ces Seigneurs des Boulangers,des Bouchers, des Brasseurs, des Marchands de vins, des fabriquantsde toutes especes: ces Entrepreneurs bätiront des Maisons dans lelieu de question ou loueront des Maisons bäties par d’autres Entre-preneurs; .... toutes les petites Maisons dans une Ville, teilequ’on la ddcrit ici, dependent et subsistent de la döpense des grandesMaisons. . . . La ville en question s’agrandira encore, si le Roi oule Gouvernement y etablit des Cours de Justice . . . Une Capitalese forme de la meme maniere qu’une Ville de Province . . . toutesles terres de l’Etat contribuent plus ou moins ä la subsistance desHabitans de la Capitale.“
Dieser Gedankengang findet sich mit unwesentlicher Modifikationin fast allen die Städtebildung behandelnden Kompendien der Zeitwieder 2 , er ist allerdings von den Physiokraten besonders scharf
1 Cantillon, Essay sur la nature du Commerce. 1755. p. 17ff.
2 Siehe den Exkurs I.