236 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
hat, hinter demjenigen in der Industrie zurückzubleiben: das istdas Eingehen der Grundrente in die Produktionskosten und diedadurch gesenkte Profitrate der landwirtschaftlichen Produktion.Theoretisch müfste sich freilich die landwirtschaftliche mit derindustriellen Durchschnittsprofitrate auf gleicher Höhe halten. InWirklichkeit wird in dem der Regel nach stets zu hohen Boden-preise ein Faktor geschaffen, der die Tendenz hat, auch auf dieProfitrate senkend einzuwirken. Das gilt für die Zeiten auf-steigender Konjunktur, wenn die zukünftigen Bodenerträge imBodenpreise vorweg genommen werden; das gilt besonders krafsfür die Zeit der Depression, wenn die antiquierten Grundrenten-beträge auf der Landwirtschaft lasten bleiben trotz längst ver-änderter Preislage.
Was man auch so ausdrücken kann: Surplusprofite, wie siezunächst stets infolge gesteigerter Produktivität sich einstellenund der in steter technischer Revolution befindlichen Industrieheutzutage die Möglichkeit hoher Lohnzahlungen gestatten, werdenin der Landwirtschaft sowohl in räumlichem Nebeneinander wiezeitlichem Nacheinander viel eher von der Grundrente aufgesogenwie in den anderen Sphären des Wirtschaftslebens.
Dazu kommt für die hochqualificierte Arbeitsleistung, dafs dieSteigerung der Produktivität in der Landwirtschaft an viel engereGrenzen gebunden ist, wie in der Industrie, sodafs in der Land-wirtschaft der Preis der Arbeitskraft meist nicht im gleichen Mafsewie in der Industrie durch erhöhte Leistungsfähigkeit des Arbeitersausgeglichen werden kann; hoher Preis der Arbeitskraft, der, wiebekannt, in der gewerblichen Produktion gern mit niedrigemPreis der Arbeit zusammenfällt, wird in der Landwirtschaft meistals ein die Produktionskosten steigerndes Moment anzusehen sein.
Endlich ist zu erwähnen, dafs die landwirtschaftliche Arbeitnicht jenen hohen Grad der Differenzierung zu erreichen vermag,wie die meisten Industrien; somit in der Landwirtschaft auch nichtso höhe Löhne für Qualitätsarbeiter gezahlt werden können als invielen Zweigen der gewerblichen Produktion, in denen dann diesehohen Löhne für Specialisten dui’ch die niedrigen Löhne fürUngelernte etc. kompensiert werden.
d) Auch abgesehen von der Individuallöhnung liegen die Lohn-verhältnisse für den Arbeiter in der Stadt günstiger, deshalb,weil er leichter ein höheres Familienverdienst als auf demLande wird erzielen können: tausenderlei lohnende Beschäftigungenergeben sich hier für die Frau und die Kinder, denen früher auf