Dreizehntes Kapitel. Die Ausweitung des Konsums.
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wird 1 . Und welcher Art das Fleisch war, darüber haben wir denBericht eines gewifs kompetenten Beurteilers, des Bürgers aus demLande der blutenden Rost-beafs, der sich also ausläfst: „The con-sumption of meat is both too limited even in towns and too littleattention is paid by the consumers to quality to make it worth tliefarmers while to use the exertions that English and Scotch graziersresort to in Order to produce gigantic specimens of cattle in theshortest possihle time. The ox (and often the cow ) repay theirkeep by labour in the field or on the road until the period forslaughtering arrives . . . The luxurious calculations of our markets,in which fat and quality of meat are distinguislied by highlyremunerating prices, are unknown in Germany 2 .“ Das stimmt völligmit dem Bilde überein, das wir uns an anderer Stelle von demStande der Viehzucht im damaligen Deutschland zu machen ver-suchten.
Auch die Kleidung wird in den Kreisen der Wohlhabenden umjene Zeit nicht allzusehr in der Güte und Reichhaltigkeit von derunserigen abgestochen haben. Sie war dauerhafter und wurde seltenererneuert, also häufiger geflickt. Natürlich war sie plump und bäuerisch.
Worin sich dagegen der ganze Abstand des Reichtumsniveausjener Zeit von dem eines wohlhäbigen Landes offenbart, ist dieArmseligkeit des gesamten übrigen Apparates von Gehrauchs-gegenständen aufser Nahrung und Kleidung. Schmucklos, nüchtern,banal, kümmerlich war alles, was zur Wohnung gehört. Es hat inder Weltgeschichte nicht wieder eine Zeit so trauriger Reizlosigkeitund Armeleutehaftigkeit gegeben wie die, die den Strafsenfa9adenunserer Grofsstädte das Gepräge gegeben hat, das sie trugen, ehewir an die Umarbeitung gingen, die ja immer erst zum Teil beendetist. Und dieselbe Misere drinnen wie draufsen. Es wurde inanderem Zusammenhänge schon an die Ungeheuerlichkeiten vonUngeschmack, und wir können hier hinzufügen, von Ärmlichkeit er-innert, die uns in den Einrichtungen unserer Eltern und teilweiseGrofseltern überkommen sind! Das thüringische Bett — vier zuzwei Fufs — aus gestrichenem Holz mit dem Strohsack: das istso etwa das Symbol der Wohnungseinrichtungen jener Zeit, auchin den besseren Familien.
1 Die pro Kopf-Berechnungen des Fleisch- etc. Konsums geben kein deut-liches Bild, weil sie ja die Unterschiede der Lebenshaltung nicht zum Ausdruckkommen lassen.
2 Ba nfiel d, 1. c. 1, 145/46.
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