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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Dreizehntes Kapitel. Die Ausweitung des Konsums.

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beim Vater drei Jahre ausgedauert, so gehen sie als Erbe über aufden Stammhalter-, wenn dieser sie verwachsen, auf den zweiten,wenn dieser sie verwachsen, auf den dritten Sohn. Was sonst anKindergarderobe gebraucht wird, fertigt die Frau Kanzleirätin selberan.Mutter und Töchter sind in ihrer Garderobe sehr bescheiden.Ein Kleidchen jedes Jahr, neue Bänder auf den Hut, eine Ver-änderung der Mantille, das ist alles, und alles wird selbst gemacht . . .Aus Erhaltung und Ausnützung der Schuhe hat die Mutter eineigenes Studium gemacht . . . Solide und unbeschädigte Schuhe. für das schlechte Wetter; die durchgelaufenen Sohlen fürdas schöne und trockene Wetter . . . Eingelegte Blätter aus einemalten Tarockspiele müssen als Surrogat für die Sohle dienen . .Doch man mag so sparsam sein, als man will, man mufs doch auchhie und da einen neuen Hut sich anschaffen, und ein Mantel hältauch nicht länger als zehn Jahre . . . Für Nähzeug, Wolle (dieFrauenzimmer stricken Strümpfe und Socken für die ganze Familie),für Weifszeug und Bettzeug, für Hanf und Weberlohn, ja in derThat für Hanf, denn man kann jeden Winterabend die Spinnrädchenschnurren hören, kommen jährlich weitere 20 fl. in Rechnung. FürToilettengegenstände wird nicht viel Geld ausgegeben, und . . derFriseur (bekommt) nicht einen Kreuzer zu verdienen. Jeden erstenMontag bei abnehmendem Monde ist die Mutter mit einer grofsenSchere in voller Thätigkeit und nimmt eine allgemeine Familien-schur vor. Das Bekleidungskonto für die ganze Familie von8 Köpfen beläuft sich auf 206 fl. 12 kr.; immerhin noch eine ganzrespektable Summe verglichen mit der des Gerätschaftskonto, fürdas nur 10 fl. abfallen. Über den Bestand an Möbeln erfahren wirfolgendes:Vor 20 Jahren bei ihrer Verehelichung hatte die FrauKanzleirat . . . ihrem Mann eine ganz respektable Einrichtung zu-gebracht. Für das Wohnzimmer: ein Kanapee mit sechs Rohr-stühlen, ein Chiffonier, ein Nähtischchen und die Familienporträtsihres Urgrofsvaters und ihrer Urgrofsmutter. Für das Gesinde-,später Kinderzimmer: einen Familienefstisch, zufällig oder in

dunkler Vorahnung für 12 Personen und einen grofsen Weifszeug-und Kleiderschrank; für das Schlafzimmer: zwei Bettstellen mitZugehör und einen Waschtisch. Dazu erstanden sie in den20 Jahren der Ehe:vier neue Bettstellen, eine für den Stamm-halter, eine für die Stammhalterin, eine für die zwei kleinen Knaben,eine für die zwei kleinen Mädchen weiter nichts.Andereausschweifende Wünsche, wie für die Frau Kanzleirat die Ein-richtung eines Visitenzimmers und ein kupferner Wasserkessel in