Dreizehntes Kapitel. Die Ausweitung des Konsums.
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Im Jahre 1845 hat Elberfeld -Barmen bei 85 OOO Einwohnern1100 Schuhmacher mit 400 Gesellen. Unter diesen 1100 Meistern,heifst es in einem zeitgenössischen Bericht 1 , sind mindestens 500,welche wenig oder nichts zu thun haben. Von den 400 beschäftigtenMeistern in Elberfeld zahlen nur 32 Gewerbesteuer und unter diesennur 2 den Satz von 12 Thalern. Die Schuhmacher in Leipzig gaben 1846 in einem Schreiben an den Rat 2 ihrer gedrückten undr dürftigen Lage wiederholt Ausdruck. Nicht weniger als 50 Meister
seien auf die öffentliche Armenunterstützung angewiesen. Von denetwa 300 Meistern arbeiteten 84 mit mehr als 1, 67 mit 1 und dieübrigen 150 Meister ohne Gesellen. Dieser bedenkliche Zustand,wird in der Denkschrift ausgeführt, sei fortwährend im Wachsenbegriffen. Bei einer ununterbrochen 14—15stündigen Arbeitszeithätten sich die Schuhmacher nur einer sehr geringen Kost zu er-freuen etc.
Als 1846 die Tischlermeister in Köln eine Magazingenossenschaftplanen, motivieren sie diesen Entschlufs in folgender Weise 3 : „Dasbeklagenswerte Los, in welchem ein grofser Teil der Tischlermeistersich trotz des unermüdlichsten und redlichsten Geschäftsbetriebesund trotz aller seiner Anstrengungen befindet, hat beinahe sämtlicheMeister dieses Gewerbes veranlafst, zu einem Verein zusammen-zutreten, weil sie nur darin Hilfe suchen, dafs sie sich sämtlichrasch und mit Energie zur Wiederaufhilfe der Bedrängten und zurAbwehr einer finsteren Zukunft mit brüderlicher Eintracht um-gürten“ . . .
Über den gesamten Handwerkerstand in Frankfurt a/M. er-fahren wir 4 aber aus derselben Zeit, dafs er einen Hilfsverein ge-stiftet habe: die „Gesellschaft zur gewerblichen und moralischenUnterstützung notleidender Handwerksmeister“, deren Wirksamkeit„zuvörderst auf Vermittlung von Arbeit für nahrungslose Handwerker-meister, auf Abhilfe derjenigen Mängel, welche sich als der Grundihrer Nahrungslosigkeit darstellen, und auf Wiederbelebung ihresErwerbsmutes gerichtet ist; hiernächst aber ihrem sittlichen Herab-sinken entgegen zu wirken und mittels dessen ihrerseits Unredlich-keit gegen ihre Genossenschaften zu verhüten, bezweckt“. Dadurch
1 Gesellschaftsspiegel; hrsg. von M. Hefs. N. A. Die gesellschaftl.Zustände der civilisierten Welt. 1. Band (1846) „Berichte“ S. 89/90.
2 U. II, 193 ff.
3 Gesellschaftsspiegel a. a. O. S. 50 ff. Ähnlicher Bericht über dieTischler in Elberfeld 1. c. II, 14.
4 Gesellschaftsspiegel I, 68 (Berichte).