Druckschrift 
2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
Seite
264
Einzelbild herunterladen
 

264

Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.

hofft der Vereindem im deutschen Handwerkerstande jetzt somächtig eindringenden Pauperismus und seinem traurigen Gefolge,jener sittlichen Erniedrigung einen schützenden Damm entgegen-zusetzen . .

Dafs es aber nicht sowohl den Handwerkern in den grofsenStädten schlecht ergehe, sondern gerade denen in den kleinenStädten, weifs uns der gewifs immer gut beobachtende Rodbertusin seiner Schrift über das Handwerk aus dem Jahre 1849 1 2 * nichtnur zu erzählen, sondern auch zu begründen.

Und endlich fehlt es auch nicht an Klagen über die ganz be-sonders schlechte Lage der Landhandwerker. Aus demRegierungsbezirk Frankfurt a/O. wird uns von einer Klasse länd-licher Bewohner berichtet,welche sich ausgebreitet hat undvon denen man in jedem Dorfe einige, oft 1216 findet. Essind dies die ländlichen Handwerker. Ein Teil derselben lebtwirklich vom Handwerk, während ein anderer fast ganz in dieKlasse der Tagelöhner fällt. Je weniger diese letzteren ihr Hand-werk ordentlich gelernt und Mittel und Gelegenheit haben, es aus-reichend zu betreiben, desto leichter verarmen sie . ?. Und ähn-liches aus dem Reg. Bez. Marienwerder:wenn Handwerker der-gleichen Besitzungen inne haben, pflegen sie gewöhnlich arm undhilfsbedürftig zu sein; denn in der Regel sind diese EigentümerMenschen, die kaum Geselle geworden, häufig auch nur von ihremMeister aus der Lehre gegangene Bursche, welche sich in der Hoff-nung gesetzt haben, durch Betrieb des nicht gründlich gelerntenGewerbes auf gelösten Gewerbeschein sich ihren Unterhalt zu ver-schaffen, nun aber bei Lieferung eines mangelhaften Produkts mitihren besseren Genossen nicht Konkurrenz halten können und inNot und Elend geraten . . 8 .

Diese untersten Schichten des Handwerkerstandes, in denendas Elend haust, leiten unser Augenmerk auf die grosse Massedes niederen Volkes über: die Lohnarbeiter in Stadt undLand, die kleinbäuerliche Bevölkerung etc., von der wir wissen,dafs sie in Deutschland um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Notund Jammer schmachtete.

1Wie ist dem Handwerkerstande zu helfen? Zuerst erschienen in denDemokratischen Blättern, hrsg. von E. Deutsch (Ratibor 1849/50). Wiederabgedruckt in denDeutschen Worten, hrsg. von E. Pernerstorfer. 1894.S. 449 f.

2 von Lengerke, Die ländliche Arbeiterfrage. 1849. S. 163.

8 Ebenda S. 86.