312 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
specifisch amerikanisch ist, ist das rücksichtslose Bekenntnis zurmodernen Technik. Die Herausbildung eines eigenen Ge-schmacks aus den Gesetzen der Technik ist das eigentliche Werkder Amerikaner und repräsentiert den dritten Strom in der kunst-gewerblichen Entwicklung unserer Zeit.
Läfst sich aber über diese selbst als Ganzes und Einheit schonetwas charakteristisches aussagen? Weist sie schon Züge auf, dienur ihr eigen sind und sie von anderen Zeiten unterscheiden? Ganz y
gewifs sind diese Fragen in bejahendem Sinne zu beantworten; undganz besonders dann, wenn man sich die wahrscheinliche Richtungklar macht, die die Entwicklung in der Zukunft einschlagen wird.
Es läfst sich schon heute mit einiger Sicherheit ein Urteil fällenüber die Eigenart der Feinbedarfsgestaltung in zwanzigoder dreifsig Jahren. Ich sehe das kommende Geschlecht nachlangen Jahrhunderten der Entbehrung endlich wieder ein Leben führen*das von Schönheit und Wohlbehagen durchtränkt ist. Ein Geschlechtwird erstehen, das aus der Fülle von Reichtum, die ihm in ver-schwenderischem Mafse zuwächst, eine Welt des Behagens und derschönen Formen wird hervorquellen lassen. Menschen, denen Genufs,denen Lebensfreude wieder zu selbstverständlichen Begleitern aufihrer Erdenpilgerschaft geworden sind; Menschen mit verfeinerten <
Sinnen, mit einer ästhetischen Weltauffassung. Das heifst also: **
quantitativ wird der Feinbedarf Dimensionen annehmen, von denenwir uns heute auch nicht die leiseste Vorstellung machen können,er wird ins Unermessene anwachsen, zu Massenhaftigkeiten undPrächtigkeiten, gegen die der „Luxus“ des kaiserlichen Roms, der GlanzVenedigs, die Verschwendungen Versailles in nichts zusammen-schwinden werden. Das dürfen wir getrost annehmen, wenn wirdas Deutschland von heute und vor fünfzig Jahren, wenn wirEuropa und Amerika in der Gegenwart vergleichen.
Aber welches Gepräge wird dieses Gepränge tragen? Auchdas läfst sich mit einiger Sicherheit aus dem Gange der bisherigenEntwicklung Voraussagen.
In wachsendem Umfange werden die geschichtlich überkommenenEigenarten der verschiedenen Nationen zurücktreten gegenüber dem ^
allgemein Menschlichen, dem persönlich Individuellen, das in demMafse gemeinsame Züge anzunehmen die Tendenz hat, als dasKommerzium unter den Menschen wächst. Gewifs will heute dereinzelne Künstler mehr denn je er selbst und nur er sein; aberganz unwillkürlich, ebenfalls mehr denn zu irgend einer anderenZeit, untersteht er, wie wir schon sahen, den Einflüssen der Aufsen-
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