326 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
plattenbelegten Bürgersteigen, das Reisen in der geheizten Eisen-bahn, die Erlindung des Gummischuhes u. s. w. haben den Bedarfnach dauerhafter und wasserdichter Fufsbekleidung eingeschränktund statt dessen das Verlangen nach leichter, eleganter, wenn auchnicht so solider Schuhware rege werden lassen. Der alte Schaft-stiefel, die „Röhre“, stirbt aus, von Gesichtspunkten der Hygiene,des Chics, der Bequemlichkeit aus erscheinen der Niederschuh, derleichte Knopf-, Schnür-, Zugstiefel als das zweckmäfsigere Kleidungs-stück und ihre Herrschaftssphäre dehnt sich aus. Ebenso wie derganz leichte Gesellschaftsschuh aus Lack oder Chevreau oderAtlas dank der schützenden Hülle der „Boots “ sich ein immerweiteres Absatzgebiet erobert; er, den ehedem nur die Damen inder Sänfte oder die Herrschaften im eigenen Gefährt riskierenkonnten.
Aber was mir den grofsstädtischen Bedarf vor allem zucharakterisieren scheint im Gegensatz zu dem ländlich-kleinstädtischen,ist seine viel gröfsere Unstetigkeit und Wandlungsfähigkeit. Damitkommen wir zu einer Veränderungstendenz in der modernen Bedarfs-gestaltung, die allgemeineren Charakter trägt und vielfach auf Ursachenzurückzuführen ist, die nicht durch Vermittlung der Herausbildungstädtischen Wesens, sondern direkter wirksam sind. Wir werdendeshalb eine gesonderte Betrachtung zu widmen haben der drittengrofsen Umgestaltungstendenz im modernen Bedarf an gewerblichenGütern, nämlich jener Entwicklungsreihe, die ich unter der Be-zeichnung „Mobilisierung des Konsums (und Bedarfs)“ zusammen-zufassen für zweckdienlich halte.