328 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
Jetzt spielt der Altwarenhandel nur noch eine untergeordneteRolle. In den Trödlerläden hängen jetzt die Reihen neuer Anzügeund Mäntel, wie sie aus der Werkstatt des Sweaters kommen,stehen neben altem Plunder immer mehr neue Tische und Spiegelaus gestrichenem Tannenholz.
Überall rascher Wechsel der Gebrauchsgegenstände, der Möbel,der Kleider, der Schmucksachen. Man ist heute schon ein kon-servativer Mann, wenn man seine Stiefel zweimal besohlen läfst,und über die Braut wird wohl gespöttelt, die noch wie ehedem dieHemden und Tischtücher von starkem Leinen dutzendweise inihrem Wäscheschränke aufstapelt.
Was ist nun die Ursache dieser Wandelbarkeit, dieser Wechsel-freudigkeit und Wechselhaftigkeit? Was ist es, das jene „Mobili-sierung des Bedarfs“ bewirkt hat?
Der oberflächliche Beobachter ist rasch mit der Antwort zurHand. Er will den Grund für jene Änderung der Konsumtions-gewohnheiten ausschliefslich in der neuen Technik der Güter-herstellung erblicken. „Die Sachen halten nicht mehr so gut wiefrüher,“ „bei den billigen Preisen lohnt es sich gar nicht, lange aneinem Gegenstände herumzuflicken: man wirft ihn weg, wenn erschadhaft ist und kauft einen neuen.“ Bei näherem Hinsehen ent-puppt sich dieser Erklärungsversuch als nichtssagende Phrase:dafs die Sachen heute weniger haltbar sind, für die man die ent-sprechenden Preise der früheren Zeit bezahlt, ist im allgemeinensicher nicht richtig; warum man aber wechselt, wenn man dankder Preisermäfsigung wechseln kann, bedarf offenbar erst derweiteren Begründung.
Eine solche mag man in den vielfach veränderten Lebens-bedingungen erblicken, unter denen namentlich die Städter heut-zutage leben. Von grofsem Einflufs auf die Art der Bedarfsgestaltungist hier offenbar die Verallgemeinerung der Mietswohnung gewesen.Sie hat das moderne Nomadentum geschaffen und mit ihm die Ab-nahme der Lust am Dauernden, Festen, Soliden in der Wohnungs-einrichtung. Schon dafs diese fast nur noch aus „Mobilien“besteht — jetzt schon bis auf die Ofen (Dauerbrandöfen!) —,während doch ehedem die Sitze in den Fensternischen, die Ofen-bank, ja selbst das Bett und mancher andere Hausrat mit demHause verwachsen war, hat eine Tendenz erzeugt, die Gegen-