Siebzehntes Kapitel. Die Mobilisierung des Bedarfs. 333
erzeugt einmal durch die reichere Ausgestaltung der Güterweltüberhaupt. Was beispielsweise heutzutage zur Vollendung derweiblichen Toilette, was zum Bedarf eines Löwen des Salons gehört,grenzt an das Fabelhafte. Und je unnützer der Gegenstand, destomehr der Mode unterworfen. Was das Gigerl, wenn es in feldmarsch-mäfsiger Ausrüstung sich befindet, allein an „Gebrauchsgegenständen“aufser der kompletten Kleidung auf dem Leibe tragen mufs, fülltzusammengelegt ein kleines Köfferchen an. Die Mannigfaltigkeitder „Modeartikel“ wird aber des weiteren auch dadurch gesteigert,dafs immer neue Kategorien von Gebrauchsgütern in den Bereichder Mode gezogen werden. So sind erst in neuerer Zeit rechteigentlich der Mode unterworfen nur von Bekleidungsgegenständen:Wäsche, Krawatten, Hüte, namentlich Strohhüte, Stiefel, Regen-schirme u. a.;
2. ist es die absolute Allgemeinheit der Mode, dieerst in unserer Zeit sich eingestellt hat. Während in der Re-naissancezeit, trotz des beginnenden Einflusses Frankreichs, dieVerschiedenheit der Mode selbst in den einzelnen Städten Italiens nochfortdauerte 1 und doch immerhin auch im grofsen Ganzen bis ins19. Jahrhundert hinein, die Gleichförmigkeit der Bedarfsgestaltungauf je einen Stand, auf eine bestimmte sociale Klasse beschränktblieb, ist es die Wesenheit unserer Zeit, dafs mit der Ausdehnungs-intensität gasförmiger Körper sich jede Mode binnen kürzester Zeitüber den Bereich der gesamten modernen Kulturwelt verbreitet.Die Egalisierungstendenz ist heute durchaus eine allgemeine undwird durch keine räumliche und keine ständische Schranke mehraufgehalten. Endlich ist
3. das rasende Tempo des Modewechsels ein ebenfallsder Mode unserer Zeit charakteristisches Merkmal. Was wir ausvergangenen Jahrhunderten von dem Modewechsel erfahren, istdoch immer nur eine höchstens nach Jahren rechnende Verschiebungder Bedarfsgestaltung. Heute ist es kein seltener Fall mehr, dafsbeispielsweise eine Damenkleidermode in einer und derselben Saisonvier- bis fünfmal wechselt. Und wenn wir bei irgendeiner „Mode“eine Lebensdauer von mehreren Jahren nachweisen zu könnenglauben, so setzt uns das höchlichst in Erstaunen und wir sprechenschon davon, wenn es sich um eine Kleidermode handelt, dafs diebetreffende Eigenart anfange, einen Bestandteil unserer „Tracht“zu bilden: wie beispielsweise der Frack der Herren. Aber auch in