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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Siebzehntes Kapitel. Die Mobilisierung des Bedarfs.

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überhaupt zum Kauf und zwar zum Kauf bei ihnen zu ver-anlassen , erzeugt die kapitalistische Konkurrenz die zweiteTendenz der modernen Mode: die Tendenz zum raschenWechsel.

Überall aber, wo wir den Produzenten selbst am Werke sahen,um durch eigeneWeiterbildung Neues zu schaffen, wo derKonfektionär oder Textilwarenfabrikant eigene Dessinateure unter-hält, gar aber erst bei den Geschäften, die nur dadurch bestehen,dafs sie andere Neuheiten liefern: überall dort wird ein Herd fürein wahres Neuerungsfieber geschaffen. Man saugt sich das Blutaus den Nägeln, martert das Hirn, wie es denn möglich zu machensei, immer wieder und wieder etwasneues und daraufkommt es im wesentlichen an auf den Markt zu werfen. Ichwill hier einen beliebig herausgegriffenen Stimmungsbericht ausder Textilbranche wiedergeben, der mut. mut. für alle Geschäfts-zweige zutrifft und die Situation in ein helles Licht setzt. Esheifst da in der Nummer desKonfektionärs vom 11. Mai 1899,dafs dieMusterungen (für das Frühjahr 1900) begonnen haben,und dann weiter:Dieser kostspielige, schwierige Teil unsererFabrikation verursacht von Saison zu Saison. mehr und mehrKopfzerbrechen. Die Frage: was mustern? ist eine leicht ge-stellte, aber ungemein schwer zu beantwortende. Neue Sachen,neue Artikel, neue Dessins sollen gebracht werden. Leicht wardies für Fabrikanten und Musterzeichner noch vor einigen Jahren,als dies Gebiet noch nicht so ausgetreten und die Nachfrage einebessere war. Aber jetzt, wo die geradezu riesenhaften Anstrengungenallenthalben gemacht worden sind und noch gemacht werden, woman bereits alles mögliche im Laufe der letzten Jahre gemustertund gebracht hat, wo man jede Verzierungsform, seien es nunBlätter und Blüten oder ornamentale Sachen, Diagonalen, lang-gestreifte und traversbildende Muster nach jeder erdenklichenRichtung hin ausgebeutet hat; jede Bindung und jeden Versatzdurchprobiert und in Anwendung brachte, und jedes Garn in allennur möglichen Bindungen und Zusammenstellungen verarbeitete, jetzist es für Fabrikanten, Musterchef und Musterzeichner schwer, oftgeradezu eine Sorge: die Zusammenstellung der neuen Kollektionen.Vor einigen Jahren genügte es vollkommen, wenn der Muster-zeichner eine Kollektion abgesetzter Sachen, worunter höchstensnoch einige Rheingoldstreifen sich befanden, vorlegte. Man wählteeine Anzahl Dessins für Atlasfond, Ripscreme und einige einfacheGrundbildungen, bestellte noch einige Rheingoldstreifen und Trauer-