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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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342 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.

lcrepes und war mit dein Musterzeichner fertig. Tauchte einmaletwas neues auf, und das war damals nicht schwer, so wurde eineoder mehrere Saisons nebst der jetzt gänzlich verschwun-denen Nachmusterung fast weiter gar nichts gemacht, als(folgt ein*; Aufzählung stereotyper Muster). Alles dieses warenArtikel, welche andauernd und mit Erfolg gemustert wurden.

Bei dieser Sachlage ist es leicht verständlich, dafs dieFabrikanten hocherfreut sind, wenn ihnen von irgendwoher dieMöglichkeit geschaffen oder vergröfsert wird,Neuerungen aneinem Artikel vorzunehmen, mit anderen Worten, ihn der Modemehr als bisher zu unterwerfen. So lesen wir in einem Berichtaus der Kravattenbranche (Konfektionär vom 13. VH. 1899):Es ist nicht zu verkennen, dafs der Kravattenfabrikation einsich immer mehr vergröfsernder Spielraum bei der Auswahl derStoffe eingeräumt wird . . . Die früher als verpönt geltendenNüancen schmeichelten sich allmählich ein. Je mehr die Farben-skala an Umfang gewinnt, um so interessanter und vorteilhafterdürfte sich das Geschäft für die Fabrik und den Detailleur ge-stalten, weil unter diesen Bedingungen häufiger ein radikalerGenrewechsel vor sich gehen kann, den die früheren Verhält-nisse verboten. Die Mode ist in das Gebiet der Herrenkravatten-Konfektion eingezogen und regt alle beteiligten Faktoren zurühriger Thätigkeit an.

Damit nun aber dieses immer heftigere Konkurrenzstreben derUnternehmer untereinander auch wirklich immer den Effekt desModewechsels habe, müssen noch einige andere Bedingungen in demsocialen Milieu erfüllt sein, so wie es heute der Fall ist. An sichwäre es ja möglich, dafs ein Konkurrent dem andern durch gröfsereGüte oder Billigkeit einer nach Form und Stoff unverändertenWare zuvorzukommen suchte. Warum durch den Wechsel derMode? Zunächst wohl deshalb, weil hierdurch noch am ehestenein fiktiver Vorsprung erzeugt wird, wo ein wirklicher nicht möglichist. Es ist immerhin noch leichter, eine Sache anders, als sie besseroder billiger herzustellen. Dann kommt die Erwägung hinzu, dafsdie Kaufneigung vergröfsert wird, wenn das neue Angebot kleineAbweichungen gegenüber dem früheren enthielt: ein Gegenstand wirderneuert, weil er nicht mehrmodern ist, trotzdem er noch längstnicht abgenutzt ist: die berühmteMeinungskonsumtion Storchs.Endlich wird damit der bereits gekennzeichneten Stimmung desMenschen unserer Zeit Rechnung getragen, die dank ihrer innerenUnrast auch eine gesteigerte Freude am Wechsel haben. Aber der